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Die erste Immobilie 2026

Fünf Fehler, die deine Rendite zerstören — und wie du sie vermeidest

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Erste Immobilie 2026: Diese 5 Fehler zerstören deine Rendite

Die erste Immobilie ist immer eine entscheidende Weichenstellung im Leben eines Investors. Wer am Anfang die richtigen Fragen stellt, baut sich über 30 Jahre einen sechs- bis siebenstelligen Vermögensvorteil auf. Wer falsch startet, verliert Jahrzehnte später immer noch Rendite — durch unnötige Steuerlast, ungünstige Finanzierungen oder eine Exit-Strategie, die nie eine war. Eines vorweg: Deine erste Immobilie wird nicht fehlerfrei sein. Das ist auch in Ordnung. Du musst nur die großen Fehler vermeiden. Die fünf wichtigsten lernst du in diesem Artikel kennen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Steuer- oder Finanzierungsberatung. Die hier beschriebenen Mechanismen basieren auf dem Rechtsstand Mai 2026 und vereinfachen komplexe Sachverhalte. Lass dich vor jeder Umsetzung von einem Steuerberater mit Immobilien-Erfahrung prüfen.
Zusammenfassung
Die fünf entscheidenden Weichenstellungen vor dem ersten Immobilienkauf: (1) Eigennutzer oder Kapitalanlage — eine Eigennutzung kann nach §23 EStG steuerfrei verkauft werden, ohne 10-Jahres-Frist. (2) Cashflow vs. Steuern verstehen — Cashflow positiv, steuerliches Ergebnis idealerweise negativ. (3) Eigenkapital hochhalten, voll finanzieren, Familiendarlehen statt Schenkung — das schont Liquidität und hält den Finanzierungszusammenhang. (4) Kaufpreisaufteilung selbst gestalten — ein Fünftel vom Bodenanteil ins Gebäude verschieben spart 50 Jahre lang Steuern. (5) Exit-Strategie schon vor dem Kauf festlegen — wechselseitig kaufen, an Kinder verkaufen, Ehegattenschaukel nutzen.

1. Warum die ersten Entscheidungen so teuer werden

Eine Immobilie ist kein Investment, das du wie eine Aktie aussteigen kannst. Wer sich beim Kauf falsch positioniert, sitzt 10 Jahre fest — mindestens. Genau das macht die Vorbereitung so wichtig: Die Strukturentscheidungen, die du heute triffst, definieren deine Steuerlast, deinen Cashflow und deinen Vermögensaufbau für die nächsten 30 bis 50 Jahre.

Wer 200 Einheiten in allen denkbaren Strukturen aufgebaut hat — vermietetes Vermögen, GmbH, Holding, Stiftung, Gesellschaften bürgerlichen Rechts — sieht immer wieder dieselben Anfängerfehler. Die meisten davon sind nicht offensichtlich. Sie kosten kein Geld am Tag des Kaufs. Sie kosten Geld jedes Jahr, über Jahrzehnte. Genau das macht sie gefährlich.

Was dieser Artikel leistet — und was nicht

Wir besprechen die fünf großen strukturellen Fehler vor dem ersten Immobilienkauf. Wir besprechen nicht die Auswahl der konkreten Immobilie selbst — Lage, Substanz, Mikrostandort — das ist ein eigenes Thema. Hier geht es um die Rahmenbedingungen, die darüber entscheiden, ob deine Immobilie steuerlich und finanziell ihr volles Potenzial entfaltet oder nur einen Bruchteil davon.

Eines vorweg: Deine erste Immobilie wird nicht fehlerfrei sein. Das ist auch nicht das Ziel. Selbst erfahrene Investoren machen kleine Fehler. Was wir vermeiden müssen, sind die fünf großen Fehler — die, die du 30 Jahre lang nicht mehr korrigieren kannst.

2. Fehler 1: Eigennutzung oder Kapitalanlage falsch entscheiden

Die erste und vielleicht wichtigste Frage vor dem Kauf: Kaufst du die Immobilie für dich selbst oder als Kapitalanlage? Die Antwort hat dramatische steuerliche Konsequenzen — und die wenigsten Erstkäufer kennen die Spielregeln.

Der unterschätzte Vorteil der Eigennutzung

Eine selbst genutzte Wohnung darfst du jederzeit steuerfrei verkaufen. Das gilt — und das ist der entscheidende Punkt — auch innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist. Geregelt ist das in §23 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG (erste Alternative): „Immobilien, die zwischen Anschaffung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden“, unterliegen keiner zeitlichen Frist für den steuerfreien Verkauf.

Was bedeutet das praktisch? Wer eine leerstehende, sanierungsbedürftige Wohnung günstig kauft, sie selbst bezieht, in zwei Jahren liebevoll renoviert und dann teurer verkauft, realisiert den kompletten Wertzuwachs steuerfrei. Das gilt unabhängig davon, wie hoch der Gewinn ist.

Rechenbeispiel Eigennutzung: Du kaufst eine 70-qm-Altbauwohnung in Leipzig für 180.000 €, ziehst selbst ein, sanierst für 25.000 € und verkaufst nach 3 Jahren für 290.000 €. Gewinn: 85.000 € (nach Nebenkosten und Sanierung). Steuerlast: 0 €. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % wären das bei einer Kapitalanlage rund 35.000 € Steuern — dieser Vorteil ist enorm.

Wann ist die Kapitalanlage trotzdem die bessere Wahl?

Die Eigennutzung ist nicht automatisch überlegen. Sie hat einen entscheidenden Nachteil: Die Mieten für dich selbst gibt es nicht — du sparst dir lediglich deine eigene Miete. Der wirtschaftliche Vorteil ist also auf den potenziellen Verkaufsgewinn beschränkt. Eine Kapitalanlage bringt dir dagegen jeden Monat Cashflow, dazu Abschreibungen, Sanierungsabzüge und im Idealfall die Investmenttilgung durch deinen Mieter.

Die Faustregel: Vergleiche bei jedem Objekt die einmalige Verkaufsrendite nach Eigennutzung mit der laufenden Rendite plus Endverkauf als Kapitalanlage. Bei stark unterbewerteten Objekten mit großem Renovierungspotenzial ist die Eigennutzung oft überlegen. Bei vermieteten Bestandsimmobilien mit solider Lage gewinnt die Kapitalanlage. Wir haben das Thema in unserem Vergleichsartikel Eigenheim oder Kapitalanlage 2026 noch genauer aufgeschlüsselt.

Praxis-Tipp: Die hybride Strategie

Viele erfahrene Investoren kombinieren beides. Sie kaufen eine renovierungsbedürftige Wohnung, beziehen sie für 2–3 Jahre selbst, sanieren in dieser Zeit eigenhändig auf und entscheiden dann: verkaufen (steuerfrei) oder vermieten (Cashflow). Diese Flexibilität hast du, weil du die Eigennutzung nicht vorher festschreiben musst.

3. Fehler 2: Cashflow und Steuern verwechseln

Das ist der vielleicht meistunterschätzte Fehler — und er passiert sogar erfahrenen Investoren immer wieder. Cashflow und steuerliches Ergebnis sind zwei völlig unterschiedliche Größen. Wer sie verwechselt, kauft entweder eine Immobilie, die ihn arm macht, oder verschenkt steuerliche Hebel.

Cashflow: Was wirklich auf deinem Konto ankommt

Der Cashflow ist die einfache Geldrechnung. Mieteinnahmen abzüglich aller realen Geldabflüsse:

Der Cashflow muss positiv sein. Wer monatlich Geld zuschießen muss, hat sich keine Kapitalanlage gekauft, sondern ein Hobby. Das funktioniert vielleicht bei einer Immobilie — bei fünf nicht mehr.

Das steuerliche Ergebnis: Eine Buchungsgröße

Das steuerliche Ergebnis ist eine andere Welt. In ihr fallen Posten an, die nichts mit echtem Geld zu tun haben — allen voran die Abschreibung (AfA). Du schreibst das Gebäude über 50 Jahre mit 2 % jährlich ab und ziehst diesen rechnerischen Wertverlust von deinen Mieteinnahmen ab. Das Geld bleibt bei dir, das Finanzamt akzeptiert die Abschreibung trotzdem.

Dazu kommen sofort abziehbare Sanierungskosten: Wenn die Bank dir 10.000 € für die Erstrenovierung mitfinanziert, kannst du diese 10.000 € im ersten Jahr komplett als Werbungskosten abziehen — obwohl es nicht dein eigenes Geld war. Die Bank zahlt, du sparst Steuern. (Wichtig: Diese 10.000 € müssen unter der 15-Prozent-Grenze bleiben — dazu später mehr.)

Der Idealfall: Hoher Cashflow, niedriges steuerliches Ergebnis

Position Cashflow Steuerlich
Mieteinnahmen + 9.600 € + 9.600 €
Bankrate (4,5 % p.a., 2 % Tilgung) − 9.100 € nur Zinsanteil: − 6.300 €
Hausgeld nicht umlagefähig − 1.200 € − 1.200 €
Bank-finanzierte Sanierung 10.000 € 0 € (Bank zahlt) − 10.000 € (sofort abzugsfähig)
AfA (2 % auf 200.000 € Gebäude) 0 € − 4.000 €
Ergebnis − 700 € (knapp negativ) − 11.900 €

In diesem typischen Anfängerbeispiel ist der Cashflow leicht negativ — das verkraftet eine erste Immobilie. Steuerlich entsteht aber ein Verlust von 11.900 €. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % bedeutet das eine Steuerersparnis von 5.000 € — und damit unter dem Strich einen positiven Effekt von rund 4.300 € im ersten Jahr.

Die Faustregel: Cashflow positiv (oder nahe Null), steuerliches Ergebnis negativ. Wenn dein Verkäufer dir vorrechnet, „du sparst ja Steuern“ — immer fragen: und wie sieht der Cashflow aus? Eine Immobilie, die nur steuerlich funktioniert, aber jeden Monat 400 € aus deinem Gehalt zieht, ist keine Kapitalanlage. Sie ist eine Steuerersparnis-Falle.

4. Fehler 3: Eigenkapital direkt in die Immobilie stecken

„Ich habe doch 30.000 Euro auf dem Konto. Die packe ich in die Immobilie, dann wird die Bankrate kleiner.“ Diesen Satz hört man oft — und er ist meistens falsch. Aus drei Gründen.

Grund 1: Du brauchst Liquidität

Stell dir vor, du steckst deine 20.000 € Eigenkapital in die Immobilie und reduzierst damit das Bankdarlehen. Im nächsten Jahr zieht der Mieter aus, du musst die Wohnung für 15.000 € renovieren, die Heizung gibt den Geist auf und kostet 6.000 €. Wovon? Deine 20.000 € stecken in der Immobilie. Du musst einen teuren Konsumkredit aufnehmen oder Privatkapital aus anderen Quellen abziehen.

Wer dagegen die Immobilie voll finanziert und seine 20.000 € als Reserve auf dem Tagesgeldkonto liegen lässt, ist auf solche Situationen vorbereitet. Die etwas höhere Bankrate kompensiert sich durch deutlich niedrigeres Risiko.

Grund 2: Der Finanzierungszusammenhang

Das ist der steuerliche Hauptgrund — und er wird fast immer übersehen. Die Zinsen für Bankdarlehen sind als Werbungskosten von der Steuer absetzbar. Aber nur, wenn die Schuld nachweislich zur Anschaffung der Immobilie aufgenommen wurde.

Wer am Anfang Eigenkapital in die Immobilie steckt und später (z. B. nach 5 Jahren) eine Bank-Umschuldung macht, um das Eigenkapital wieder freizuschaufeln, hat ein Problem: Diese neue Schuld dient nicht mehr der Anschaffung — die Immobilie war ja schon zu einem Teil mit eigenem Geld bezahlt. Die Zinsen aus der neuen Schuld sind dann nicht mehr abziehbar. Der Finanzierungszusammenhang ist gerissen.

Grund 3: Familiendarlehen statt Schenkung

Wer von Eltern oder Verwandten 50.000 € für den Kauf bekommt, sollte das nie als Schenkung in die Immobilie packen. Besser ist ein privates Darlehen mit marktgerechtem Zins (z. B. 3,5 %) und schriftlichem Darlehensvertrag.

Konkretes Beispiel: Du erhältst 50.000 € von deinen Eltern. Variante A: Schenkung, du steckst das Geld als Eigenkapital in die Wohnung. Variante B: Privates Darlehen mit 3,5 % Zinsen. In Variante B zahlst du jährlich 1.750 € Zinsen an deine Eltern, kannst diese aber als Werbungskosten absetzen (bei 42 % Grenzsteuer = 735 € Ersparnis). Nach 7 Jahren schuldest du das Familiendarlehen bei einer Bank um, weil dort günstigere Konditionen warten — die Zinsen bleiben absetzbar. In Variante A wären sie ab dem Tag der Umschuldung verloren.

Wie viel Eigenkapital ist sinnvoll?

Für die Kaufnebenkosten brauchst du in der Regel Eigenkapital: Notar, Grundbuch, Grunderwerbsteuer, evtl. Maklercourtage — insgesamt 8–12 % des Kaufpreises. Manche Banken finanzieren auch diese Nebenkosten mit (110-Prozent-Finanzierung), das ist allerdings teurer und nicht jede Bank bietet das. Detaillierte Modelle für unterschiedliche Finanzierungsstrategien findest du in unserer Analyse zur Baufinanzierung 2026.

5. Fehler 4: Die Kaufpreisaufteilung dem Finanzamt überlassen

Das ist die einfachste Übung mit der größten Hebelwirkung — und die meisten Erstkäufer kennen sie nicht einmal. Es geht um die Aufteilung des Kaufpreises in Grund-und-Boden-Anteil und Gebäudeanteil.

Warum die Aufteilung überhaupt eine Rolle spielt

Steuerlich relevant ist nur der Gebäudeanteil. Auf ihn kannst du die Abschreibung (AfA) ansetzen, über 50 Jahre 2 % p.a. Der Grund-und-Boden-Anteil ist nicht abschreibbar — er ist quasi steuerlich tot. Je höher also der Gebäudeanteil im Kaufvertrag, desto mehr jährliche Steuerersparnis über 50 Jahre.

Was passiert, wenn du nichts unternimmst?

Steht im Kaufvertrag nur ein Gesamtpreis, übernimmt das Finanzamt die Aufteilung — und das tut es regelmäßig zu deinem Nachteil. Das BMF (Bundesfinanzministerium) hat eine Excel-Vorlage veröffentlicht (suchbar als „BMF Arbeitshilfe Kaufpreisaufteilung“), die typischerweise einen relativ hohen Bodenanteil ergibt — gerade in begehrten Städten oft 35–45 %.

Die Lösung: Aufteilung selbst gestalten

Der Bundesfinanzhof (BFH-Urteil IX R 26/19) hat klargestellt: Eine im Kaufvertrag vereinbarte Kaufpreisaufteilung wird vom Finanzamt grundsätzlich anerkannt — solange sie nicht offenkundig willkürlich ist. Damit hast du als Käufer einen erheblichen Gestaltungsspielraum.

  1. Lade die BMF-Excel „Arbeitshilfe Kaufpreisaufteilung“ herunter
  2. Trage die konkreten Daten deiner Immobilie ein (Bodenrichtwert, Grundstücksgröße, Baujahr, Fläche, Ausstattung)
  3. Schau dir das Ergebnis an — meist ein hoher Bodenanteil
  4. Verschiebe etwa ein Fünftel vom Bodenanteil auf das Gebäude (begründbar mit Sanierungsbedarf, Substanz, Lagewert des Gebäudes)
  5. Lass die so ermittelte Aufteilung direkt in den Kaufvertrag schreiben (z. B.: „Vom Gesamtkaufpreis von 250.000 € entfallen 200.000 € auf das Gebäude und 50.000 € auf den Grund und Boden.“)

Rechenbeispiel: Was die richtige Aufteilung bringt

Position Finanzamt-Vorgabe Eigene Aufteilung
Kaufpreis gesamt 250.000 € 250.000 €
Grund-und-Boden-Anteil 100.000 € (40 %) 50.000 € (20 %)
Gebäudeanteil (AfA-Basis) 150.000 € 200.000 €
AfA pro Jahr (2 %) 3.000 € 4.000 €
Steuerersparnis p.a. (42 % Grenzsteuer) 1.260 € 1.680 €
Steuerersparnis über 50 Jahre 63.000 € 84.000 €

Allein durch die richtige Kaufpreisaufteilung gewinnst du in diesem Beispiel 21.000 € Steuerersparnis über die gesamte Haltefrist. Ohne einen Cent Mehrkosten. Der Notar verlangt nicht mehr Geld dafür, dass diese Aufteilung im Vertrag steht.

Bonus: Die 15-Prozent-Grenze

Es gibt einen zweiten, oft übersehenen Effekt: Die 15-Prozent-Grenze nach §6 Abs. 1 Nr. 1a EStG. Wer in den ersten drei Jahren nach Anschaffung Sanierungs- und Modernisierungskosten von mehr als 15 % des Gebäude-Anschaffungswerts hat, muss diese Kosten aktivieren — sprich: über 50 Jahre AfA, statt im Jahr der Zahlung sofort als Werbungskosten ansetzen.

Beispiel: Bei einem Gebäudeanteil von 150.000 € sind 15 % nur 22.500 €. Wer in den ersten 3 Jahren für 30.000 € renoviert, überschreitet die Grenze und verliert die sofortige steuerliche Wirkung. Bei einem Gebäudeanteil von 200.000 € sind 15 % schon 30.000 € — man hätte denselben Renovierungsumfang noch im sofortigen Abzug. Das ist ein erheblicher Liquiditätsvorteil. Die optimale Kaufpreisaufteilung erhöht also nicht nur die laufende AfA, sondern auch deinen Spielraum bei der Erstrenovierung.

So machst du es konkret: Beim Notartermin bringst du eine eigene Kaufpreisaufteilung mit, basierend auf der BMF-Excel und mit verschobenem Gebäudeanteil. Sprich das mit deinem Steuerberater vor dem Notartermin durch. Der Verkäufer hat in der Regel kein Interesse, dem zu widersprechen — ihn betrifft die Aufteilung steuerlich nicht.

6. Fehler 5: Keine Exit-Strategie vor dem Kauf

Die meisten Erstkäufer denken über den Kaufmoment nach. Vielleicht noch über die ersten 5 Jahre. Was sie selten durchdenken: Wie geht die Immobilie irgendwann aus dem Bestand wieder raus? Verkauf, Vererbung, Übertragung an Kinder, Ehegattenschaukel? Genau diese Frage entscheidet aber darüber, wie du heute strukturierst.

Drei klassische Exit-Strategien

Es gibt nicht die richtige Exit-Strategie. Aber es gibt drei sinnvolle, aus denen du wählen kannst:

Strategie Vorteil Nachteil
Halten und vererben Keine Verkaufskosten, Mieteinnahmen für Erben AfA wird nicht reaktiviert, Erbschaftssteuer-Risiko
Verkauf an Kinder (innerfamiliär) Kinder bekommen neue AfA, lernen Finanzierung Kinder müssen kreditwürdig sein, Marktpreis nötig
Ehegattenschaukel Keine Grunderwerbsteuer, neue AfA, steuerfreier Gewinn nach 10 Jahren Nur ein Ehepartner darf ursprünglich im Grundbuch stehen

Die Konsequenzen für den heutigen Kauf

Wer die Ehegattenschaukel als spätere Option offen halten will (und das sollte jedes Ehepaar), muss heute eine entscheidende Regel beachten: Immobilien nicht 50/50 ins Grundbuch. Die Schaukel funktioniert nur, wenn nur ein Ehepartner als Eigentümer eingetragen ist. Mehr dazu in unserem Detailartikel zur Ehegattenschaukel bei Immobilien.

Und noch ein wichtiger Punkt: Verteile die Immobilien wechselseitig. Wenn alle 5 Wohnungen auf den Namen eines Ehepartners stehen, hast du im Erbfall ein massives Erbschaftssteuerproblem — und die Schaukel funktioniert nur in eine Richtung. Wechselt sich beim Kauf ab: Die erste auf ihn, die zweite auf sie, die dritte wieder auf ihn. So baust du ein ausgewogenes Familienportfolio.

Warum „an Kinder vererben“ oft die schlechteste Wahl ist

Viele denken: „Ich vererbe meinen Kindern einfach mal meine Immobilien.“ Steuerlich ist das aber meistens Nonsens. Die Abschreibung wird im Erbfall nicht neu gestartet, die Immobilie kann nicht steuerlich optimiert werden, und der Vorteil der Schaukel oder des innerfamiliären Verkaufs verpufft.

Besser: Verkaufe innerfamiliär an die Kinder. Sie müssen zur Bank gehen, einen Darlehensvertrag unterschreiben, Verantwortung übernehmen. Wenn sie dazu bereit sind, sind sie auch reif für ein Immobilienvermögen. Wenn nicht — dann hat dieses Vermögen bei ihnen ohnehin nichts verloren. Die Kinder bekommen im Übrigen eine komplett neue AfA-Grundlage und können die Immobilie wieder voll abschreiben.

Achtung Schenkungssteuer: Wer beim innerfamiliären Verkauf einen unrealistisch niedrigen Preis ansetzt, riskiert, dass das Finanzamt eine teilweise Schenkung unterstellt. Marktgerechter Preis ist Pflicht. Bei besonders großen Vermögensübertragungen lohnt sich vorab ein Gespräch mit Steuerberater und ggf. Notar über die Strukturierung.

Lebensphasen-Planung

Überlege dir bei jedem Kauf konkret: Wo stehe ich in 10, 20, 30 Jahren? Wenn du heute 30 bist, willst du mit 60 vielleicht in den Ruhestand — vielleicht sogar früher. Die Frage, wie deine Immobilien dann arbeiten (Cashflow generieren, durch Verkauf Liquidität schaffen, an Kinder übergehen), solltest du heute schon mitdenken. Ein konkretes Modell für diesen Lebensentwurf findest du in unserem Artikel Rente mit 73? So gehst du mit 60 in den Ruhestand.

7. Checkliste vor dem ersten Kauf

Bevor du den ersten Kaufvertrag unterschreibst, solltest du folgende Punkte mit Ja beantworten können:

Wenn du auch nur einen dieser Punkte nicht beantworten kannst — nicht kaufen. Hol dir die fehlenden Antworten. Es gibt morgen wieder Immobilien.

8. Fazit: Vorbereitung schlägt Geschwindigkeit

Die erste Immobilie ist eine Prägung. Sie definiert, wie du in den nächsten Jahrzehnten denkst, strukturierst und entscheidest. Wer die fünf großen Fehler vermeidet, hat schon mit dem ersten Objekt einen Vorsprung von 50.000–100.000 € gegenüber dem unvorbereiteten Käufer — allein durch die richtige Eigennutzungsfrage, die optimale Kaufpreisaufteilung und den intakten Finanzierungszusammenhang.

Die gute Nachricht: Keiner dieser fünf Punkte ist kompliziert. Du musst kein Steuerexperte sein, um sie umzusetzen. Du musst nur wissen, dass es sie gibt — und einen Steuerberater an deiner Seite haben, der die Details für dich macht. Der Aufwand vor dem Kauf ist überschaubar, die Wirkung über Jahrzehnte enorm.

Was du heute besser nicht machst: Aus Begeisterung über das erste „Schnäppchen“ überhastet zuschlagen. Es gibt keinen Markt, der dich zwingt, am nächsten Donnerstag zu unterschreiben. Lieber zwei Wochen später mit der richtigen Struktur kaufen als heute mit einem falschen Setup, das dich 30 Jahre lang verfolgt.

Der wichtigste Satz dieses Artikels: Erlaube dir eigene Fehler — aber nicht die großen. Kleine Fehler kosten dich Geld. Große Fehler kosten dich Jahrzehnte. Die fünf hier beschriebenen sind die großen. Vermeide sie, und deine erste Immobilie wird die Grundlage für ein nachhaltig wachsendes Vermögen.

Du planst gerade deinen ersten Immobilienkauf und willst sicher sein, dass die Struktur stimmt? In unserem kostenlosen Strategiegespräch schauen wir mit dir auf deine konkrete Ausgangslage. Falls du noch unschlüssig bist, ob Eigenheim oder Kapitalanlage besser zu dir passt, hilft dir unser Investment-Check in 5 Minuten zu einer ersten klaren Antwort.

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich meine erste Immobilie als Eigennutzer oder als Kapitalanlage kaufen?

Das hängt von deinem Ziel ab. Eine selbst genutzte Wohnung darfst du nach §23 Abs. 1 Nr. 1 EStG jederzeit steuerfrei verkaufen — auch innerhalb der 10-Jahres-Frist. Wer also eine günstige, leerstehende Wohnung renoviert und nach kurzer Zeit teurer verkauft, realisiert den Wertzuwachs steuerfrei. Eine Kapitalanlage wirft dafür laufende Mieteinnahmen ab und nutzt Steuervorteile wie AfA und Sanierungsabzüge. Faustregel: Wenn du den schnellen Wertzuwachs realisieren willst, ist Eigennutzung steuerlich attraktiver. Wenn du langfristig Vermögen aufbauen willst, ist die Kapitalanlage der Hebel.

Was ist der Unterschied zwischen Cashflow und Steuer bei Immobilien?

Cashflow ist die echte Geldbewegung auf deinem Konto: Mieteinnahmen minus Bankrate, Hausgeld, Rücklagen und laufende Kosten. Cashflow muss positiv sein. Das steuerliche Ergebnis ist eine Buchgröße, in die zusätzlich nicht-zahlungswirksame Posten wie Abschreibung (AfA) und sofort abziehbare Sanierungskosten einfließen. Idealfall: positiver Cashflow plus negatives steuerliches Ergebnis. Du hast Geld in der Tasche und sparst gleichzeitig Steuern. Wer beide Größen verwechselt, kauft gefährlich.

Sollte ich Eigenkapital in die erste Immobilie stecken oder voll finanzieren?

Aus steuerlicher und Liquiditäts-Sicht möglichst wenig eigenes Geld einsetzen. Wer Eigenkapital direkt in die Immobilie steckt und später umschuldet, verliert den steuerlichen Finanzierungszusammenhang — die Zinsen aus der späteren Umschuldung sind dann nicht mehr abziehbar. Außerdem brauchst du Liquidität für unerwartete Reparaturen, Mieterausfälle oder Renovierungen. Bei Familiendarlehen statt Schenkung bleibt die Möglichkeit, später bei einer Bank umzuschulden und die Zinsen voll als Werbungskosten anzusetzen.

Was ist die Kaufpreisaufteilung und warum ist sie so wichtig?

Beim Immobilienkauf wird der Gesamtkaufpreis steuerlich in zwei Anteile zerlegt: Grund-und-Boden-Anteil (nicht abschreibbar) und Gebäudeanteil (über 50 Jahre mit 2 Prozent abschreibbar, bei Altbau ggf. mehr). Je höher der Gebäudeanteil, desto höher die jährliche Steuerersparnis. Wer die Aufteilung dem Finanzamt überlässt, bekommt oft einen ungünstig hohen Bodenanteil. Empfehlung: BMF-Excel-Tool nutzen, ein Fünftel vom Bodenanteil ins Gebäude verschieben und die Aufteilung direkt in den Kaufvertrag schreiben — bestätigt durch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (IX R 26/19).

Wie sollte meine Exit-Strategie für die erste Immobilie aussehen?

Schon vor dem Kauf solltest du wissen, was in 10, 20 oder 30 Jahren mit der Immobilie passiert. Drei Optionen sind sinnvoll: (1) Halten und vererben — steuerlich oft suboptimal, weil die AfA nicht reaktiviert wird. (2) Innerfamiliärer Verkauf an die Kinder — sie übernehmen Finanzierung und AfA neu. (3) Ehegattenschaukel — Verkauf zwischen Ehepartnern nach 10 Jahren spart Grunderwerbsteuer und reaktiviert die AfA. Wichtig: Immobilien zwischen den Ehepartnern wechselseitig kaufen, nicht alle auf einen Namen, und nicht 50/50 ins Grundbuch.

Was ist die 15-Prozent-Grenze bei Sanierungskosten?

Nach §6 Abs. 1 Nr. 1a EStG müssen Sanierungs- und Modernisierungskosten, die innerhalb der ersten drei Jahre nach Anschaffung 15 Prozent der Gebäude-Anschaffungskosten überschreiten, dem Gebäude zugeschlagen und über die AfA abgeschrieben werden — statt sie sofort als Werbungskosten zu nutzen. Je höher der Gebäudeanteil im Kaufvertrag, desto mehr Spielraum hast du für sofort abziehbare Sanierungen. Daher ist die richtige Kaufpreisaufteilung ein Hebel über 50 Jahre.

Paul Kohl
Paul Kohl
Gründer & Geschäftsführer, immo.kaufen

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