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Sondertilgung: Wann sie sich wirklich lohnt

Zinsersparnis, Steuer und Flexibilität — so entscheidest du, ob dein Geld in die Tilgung oder woanders besser aufgehoben ist

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Sondertilgung: Wann sie sich wirklich lohnt — und wann nicht

„Schulden tilgt man, so schnell es geht“ — dieser Satz klingt vernünftig, ist aber zu einfach. Eine Sondertilgung, also die freiwillige Extra-Zahlung auf dein Immobiliendarlehen, kann dir viel Zins ersparen und dich Jahre früher schuldenfrei machen. Sie kann aber auch das falsche Ziel sein — wenn dein Geld an anderer Stelle mehr bringt, du Liquidität opferst oder als Vermieter unbewusst deinen Steuervorteil schmälerst. Dieser Ratgeber zeigt dir, wann eine Sondertilgung wirklich sinnvoll ist, wie viel du tilgen solltest und warum die Antwort beim Eigenheim anders ausfällt als bei der Kapitalanlage.

Wir bei immobilie.kaufen sind Makler und Informationsplattform. Unser Anspruch: erst aufklären, dann vermitteln. Und die Sondertilgung ist ein Paradebeispiel dafür, dass die vermeintlich sichere „Schulden-weg“-Intuition nicht immer die klügste Entscheidung ist. Es kommt auf deine Zinsen, deine Steuer und dein Ziel an. Rechnen wir es sauber durch.

Das Wichtigste in Kürze
Sondertilgung = risikofreie Rendite in Höhe deines Sollzinses. Jeder sondergetilgte Euro spart dir Zins genau zu deinem Kreditzinssatz — garantiert und steuerfrei beim Eigenheim.
Reihenfolge zuerst: Notgroschen und teure Konsumkredite gehen immer vor der Sondertilgung.
5 % pro Jahr der ursprünglichen Darlehenssumme sind bei den meisten Banken kostenlos möglich — wenn ein Sondertilgungsrecht vereinbart ist.
Eigenheim vs. Kapitalanlage: Beim selbst genutzten Haus ist die Sondertilgung fast immer stark. Bei der vermieteten Immobilie zählt die Zinsersparnis nach Steuer, weil gesparte Zinsen sonst Werbungskosten gewesen wären.
Nicht absetzbar: Eine Sondertilgung mindert keine Steuer — nur der Zinsanteil der Rate ist bei Vermietung abzugsfähig.
Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist eine Sondertilgung?
  2. Wann sich eine Sondertilgung lohnt
  3. Die Zinsersparnis: das eigentliche Argument
  4. Rechenbeispiel: was 10.000 € Sondertilgung bringen
  5. Sondertilgung oder Tilgungssatz erhöhen?
  6. Eigenheim vs. Kapitalanlage: der große Unterschied
  7. Sondertilgung und Steuer: absetzbar oder nicht?
  8. Sondertilgung oder lieber anlegen?
  9. Wie viel Sondertilgung ist sinnvoll?
  10. Wann eine Sondertilgung nicht sinnvoll ist
  11. Das Sondertilgungsrecht im Vertrag
  12. Schritt für Schritt: so tilgst du sonder
  13. Fazit

Was ist eine Sondertilgung?

Eine Sondertilgung ist eine außerplanmäßige, freiwillige Rückzahlung auf dein Darlehen — zusätzlich zu deiner regulären monatlichen Rate. Während die normale Annuität (Zins + planmäßige Tilgung) fest im Vertrag steht, ist die Sondertilgung ein Extra, das du leistest, wenn du gerade Geld übrig hast: aus einer Bonuszahlung, einer Erbschaft, dem Verkauf eines Autos oder einfach aus angespartem Guthaben.

Der Effekt ist unmittelbar: Der komplette Betrag fließt in die Restschuld — nicht in Zinsen. Dadurch sinkt die Basis, auf die künftig Zinsen berechnet werden. Weil bei einem Annuitätendarlehen die monatliche Rate gleich bleibt, verschiebt sich nach einer Sondertilgung das Verhältnis: Ein größerer Teil deiner Rate tilgt, ein kleinerer geht für Zinsen drauf. Die Folge: Du bist deutlich früher schuldenfrei.

Sondertilgung vs. planmäßige Tilgung: Die planmäßige Tilgung ist der Teil deiner festen Rate, der die Schuld abbaut. Die Sondertilgung ist eine zusätzliche Einmalzahlung obendrauf. Beide senken die Restschuld — die eine automatisch, die andere freiwillig und flexibel.

Wichtig: Sondertilgen kannst du in aller Regel nur, wenn im Darlehensvertrag ein Sondertilgungsrecht vereinbart ist. Das ist heute weit verbreitet und bei vielen Banken bis zu einer bestimmten Grenze kostenlos. Auf die Details dieses Rechts — und was passiert, wenn es fehlt — gehen wir weiter unten im Kapitel zum Vertrag ein.

Wann sich eine Sondertilgung lohnt

Die ehrliche Antwort lautet: Es hängt davon ab, was die Alternative wäre. Eine Sondertilgung konkurriert immer mit anderen Verwendungen für dasselbe Geld. Bevor du tilgst, sollten drei Dinge erfüllt sein — in genau dieser Reihenfolge:

  1. Notgroschen steht. Drei bis sechs Monatsausgaben als jederzeit verfügbare Reserve. Geld, das in der Tilgung steckt, bekommst du nicht ohne Weiteres zurück.
  2. Teure Schulden sind weg. Dispo, Ratenkredite oder Kreditkartenschulden kosten oft 8 bis 14 % Zins — sie zu tilgen bringt mehr als jede Immobilien-Sondertilgung.
  3. Das Geld wird nicht bald gebraucht. Steht in zwei Jahren ein Autokauf, eine Renovierung oder Familienplanung an, ist Liquidität wertvoller als eine gesenkte Restschuld.

Sind diese drei Punkte abgehakt, wird die Sondertilgung zu einer schlichten Renditefrage: Bringt der getilgte Euro mehr, als er woanders bringen würde? Und genau hier liegt das stärkste Argument für die Tilgung — die garantierte Zinsersparnis.

Reihenfolge nicht umdrehen: Der häufigste Fehler ist, aus dem guten Gefühl heraus zu tilgen, obwohl noch ein Dispo läuft oder kein Notgroschen da ist. Eine Immobilien-Sondertilgung spart dir vielleicht 3,6 % Zins — ein offener Dispo kostet dich das Drei- bis Vierfache. Erst die teuren Löcher stopfen, dann sonder tilgen.

Die Zinsersparnis: das eigentliche Argument

Der entscheidende Punkt, den viele unterschätzen: Eine Sondertilgung ist eine risikofreie Geldanlage, deren Verzinsung exakt deinem Sollzins entspricht. Wenn dein Darlehen 3,6 % Zins kostet, dann „verdienst“ du mit jedem sondergetilgten Euro 3,6 % — denn genau diese Zinsen musst du auf den Betrag nie mehr zahlen. Und anders als bei einer Geldanlage gibt es dabei kein Kursrisiko und keine Unsicherheit.

Diese „Rendite“ ist beim selbst genutzten Eigenheim sogar komplett steuerfrei: Während du Zinsen aus einer Geldanlage versteuern musst, fällt auf die ersparten Kreditzinsen keine Steuer an. Das macht die Sondertilgung im aktuellen Zinsumfeld 2026 — mit Bauzinsen von rund 3,3 bis 4,0 % für zehnjährige Zinsbindung — zu einem echten Kraftpaket. Eine sichere, steuerfreie Rendite von 3,6 % muss man am Kapitalmarkt erst einmal finden.

Merksatz: Die Sondertilgung bringt eine garantierte Rendite in Höhe deines Sollzinses — ohne Risiko und (beim Eigenheim) ohne Steuer. Je höher dein Zins, desto attraktiver die Sondertilgung. In einer Hochzinsphase ist Tilgen fast immer richtig, in einer Niedrigzinsphase weniger dringend.

Der Zinseszins-Effekt arbeitet für dich

Der wahre Hebel liegt nicht in der ersten Zinsersparnis, sondern im Zeitverlauf. Weil deine Rate nach der Sondertilgung gleich bleibt, aber weniger Zins anfällt, wandert der frei gewordene Betrag automatisch in zusätzliche Tilgung. Diese tilgt wiederum Schuld, auf die keine Zinsen mehr anfallen — und so weiter. Eine Sondertilgung früh in der Laufzeit wirkt deshalb viel stärker als dieselbe Summe kurz vor Schluss. Wie sich das konkret auf Laufzeit und Zinskosten auswirkt, spielst du am schnellsten mit unserem Finanzierungsrechner durch.

Rechenbeispiel: was 10.000 € Sondertilgung bringen

Rechnen wir einen realistischen Fall für 2026 durch. Alle Zahlen sind bewusst vereinfachte Beispielwerte, aber in sich stimmig. Ausgangslage:

Die unmittelbare Zinsersparnis im ersten Jahr ist leicht zu berechnen: 10.000 € × 3,6 % = 360 € Zins, die du sofort sparst. Das klingt zunächst wenig. Der eigentliche Effekt entsteht aber über die Jahre, weil dieser gesparte Zins Jahr für Jahr in zusätzliche Tilgung fließt.

So wirkt die Sondertilgung über die Laufzeit

Kennzahl Ohne Sondertilgung Mit 10.000 € Sondertilgung
Zinsersparnis 1. Jahr rund 360 €
Restschuld nach 10 Jahren höher rund 14.000 € niedriger
Gesamte Zinsersparnis bis Volltilgung mehrere Tausend €
Schuldenfrei Basis rund 1–1,5 Jahre früher

Die Kernaussage: Eine einzige Sondertilgung von 10.000 € verkürzt die Laufzeit spürbar und spart über die gesamte Restlaufzeit ein Mehrfaches der anfänglichen 360 € an Zinsen — weil der gesparte Zins immer weiter mitarbeitet. Wer diese 10.000 € jedes Jahr aufbringt, hebelt den Effekt entsprechend. Die genauen Beträge hängen von Zins, Tilgungssatz und Zeitpunkt ab; als Größenordnung zeigt das Beispiel aber klar: Früh und regelmäßig tilgen wirkt am stärksten.

Faustregel zum Merken: Die anfängliche Zinsersparnis einer Sondertilgung ist immer „Betrag × Sollzins“. Der wahre Gewinn ist aber die Kette aus Zinseszins über die Restlaufzeit — und die Zeit, die du früher schuldenfrei bist. Beides zusammen macht die Sondertilgung so wirkungsvoll.

Sondertilgung oder Tilgungssatz erhöhen?

Wer schneller entschulden will, hat zwei Wege: eine Sondertilgung leisten oder den Tilgungssatz erhöhen. Beide senken Restschuld und Zinskosten, unterscheiden sich aber grundlegend in Verbindlichkeit und Flexibilität.

Eine Erhöhung des Tilgungssatzes — etwa von 2 auf 3 % — erhöht deine monatliche Rate dauerhaft und verbindlich. Sie ist der konsequenteste Weg zur schnellen Entschuldung und spart am meisten Zeit und Zinsen, weil vom ersten Monat an mehr getilgt wird. Der Preis: Du bindest dich an die höhere Rate, bis zum Ende der Zinsbindung ist eine Änderung oft nur eingeschränkt möglich (viele Banken erlauben ein bis zwei Tilgungssatzwechsel).

Die Sondertilgung ist dagegen freiwillig und flexibel. Du zahlst zusätzlich, wenn Geld da ist — und lässt es, wenn ein Jahr eng wird. Diese Flexibilität kostet etwas Tempo, gibt dir aber Sicherheit und Kontrolle.

Die beiden Wege im direkten Vergleich

Kriterium Sondertilgung Tilgungssatz erhöhen
Verbindlichkeit freiwillig, jederzeit aussetzbar dauerhaft, verbindlich
Flexibilität hoch gering
Entschuldungstempo gut (bei regelmäßiger Nutzung) am höchsten
Passt zu unregelmäßigen Einnahmen, Boni, Sicherheitsbedürfnis stabilem, planbarem Einkommen
Belastung der Monatsrate unverändert dauerhaft höher

Die clevere Kombination: Viele fahren am besten mit einer moderaten festen Tilgung (planbare Entschuldung) plus einem großzügigen Sondertilgungsrecht (Flexibilität nach oben). So hältst du die Pflichtrate tragbar und beschleunigst in guten Jahren gezielt per Sondertilgung.

Eigenheim vs. Kapitalanlage: der große Unterschied

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen — und hier machen die meisten Ratgeber es sich zu einfach. Ob eine Sondertilgung sinnvoll ist, hängt entscheidend davon ab, ob du die Immobilie selbst bewohnst oder vermietest. Der Grund ist die Steuer.

Beim selbst genutzten Eigenheim: fast immer stark

Bewohnst du die Immobilie selbst, sind die Kreditzinsen steuerlich nicht absetzbar. Jeder Euro Zins ist ein echter, endgültiger Kostenpunkt. Eine Sondertilgung, die diese Zinsen reduziert, wirkt daher in voller Höhe: Sie bringt eine steuerfreie Rendite in Höhe des Sollzinses. Beim Eigenheim ist die Sondertilgung deshalb in den allermeisten Fällen die richtige Wahl, sobald Notgroschen und teure Kredite abgehakt sind. Ob sich für dich überhaupt das Eigenheim oder eine Kapitalanlage mehr lohnt, ist eine vorgelagerte Grundsatzfrage.

Bei der vermieteten Immobilie: differenzierter

Vermietest du, sind die Kreditzinsen als Werbungskosten von der Steuer absetzbar. Das verändert die Rechnung: Wenn du sondertilgst, sinken die künftigen Zinsen — und damit auch dein absetzbarer Aufwand. Ein Teil der Zinsersparnis wird also durch einen höheren zu versteuernden Gewinn „aufgefressen“. Maßgeblich ist deshalb die Zinsersparnis nach Steuer.

Ein Beispiel: Sparst du durch eine Sondertilgung 360 € Zins und liegt dein persönlicher Grenzsteuersatz bei 42 %, dann hättest du diese 360 € sonst zu 42 % steuerlich geltend gemacht. Deine tatsächliche Ersparnis nach Steuer beträgt dann nur noch rund 360 € − 151 € = 209 €. Die risikofreie Rendite deiner Sondertilgung sinkt damit von 3,6 % auf effektiv rund 2,1 % nach Steuer.

Der Denkfehler vieler Vermieter: Bei einer vermieteten Immobilie ist die Tilgung steuerlich unattraktiver als beim Eigenheim — nicht, weil Tilgung schlecht wäre, sondern weil die Zinsen, die du wegtilgst, sonst deine Steuer gesenkt hätten. Genau deshalb setzen viele Kapitalanleger bewusst auf eine niedrigere Tilgung und nutzen den Hebel des Fremdkapitals länger. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Investmenttilgung.

Das heißt nicht, dass Vermieter nie sondertilgen sollten — Sicherheit, ein ruhiger Schlaf und eine planbare Anschlussfinanzierung sind reale Werte. Es heißt nur: Rechne bei der Kapitalanlage immer mit der Ersparnis nach Steuer, nicht mit dem vollen Sollzins.

Sondertilgung und Steuer: absetzbar oder nicht?

Die klare Antwort vorweg: Eine Sondertilgung ist nicht steuerlich absetzbar — weder beim Eigenheim noch bei der vermieteten Immobilie. Der Grund ist systematisch: Steuerlich absetzbar sind nur Aufwendungen, die dein Vermögen mindern. Eine Tilgung mindert dein Vermögen aber nicht — sie schichtet es nur um: von Bankguthaben in Eigenkapital an der Immobilie.

Deshalb gilt bei der Vermietung die wichtigste Regel der Immobilienbesteuerung: Nur der Zinsanteil der Rate ist absetzbar, die Tilgung nicht. Das betrifft die planmäßige Tilgung genauso wie jede Sondertilgung. Wer hier Zins und Tilgung verwechselt, verrechnet sich in seiner Steuererklärung. Wie du die laufenden Mieteinnahmen richtig versteuerst und welche Kosten absetzbar sind, haben wir separat aufgeschrieben — ebenso die wichtigsten Steuerhebel für Vermieter.

Kurz gesagt: Sondertilgung spart Zinsen, aber keine Steuer. Beim Eigenheim ist das egal (Zinsen sind ohnehin nicht absetzbar). Bei der Kapitalanlage bedeutet es, dass die Sondertilgung deinen absetzbaren Zinsaufwand verkleinert — ein Grund, hier genauer zu rechnen.

Sondertilgung oder lieber anlegen?

Die vielleicht wichtigste Abwägung: Soll das freie Geld in die Tilgung fließen — oder an den Kapitalmarkt? Im Kern ist es ein Vergleich von sicherer Zinsersparnis gegen unsichere Anlagerendite.

Die Sondertilgung liefert eine garantierte, risikofreie Rendite in Höhe deines Sollzinses. Eine Geldanlage — etwa ein breit gestreuter Aktien-ETF — kann langfristig mehr bringen, schwankt aber, kann zeitweise im Minus liegen und die Erträge müssen versteuert werden. Die ehrliche Faustregel:

2026 mit Bauzinsen um 3,6 % ist die Messlatte für die Geldanlage hoch: Eine Anlage müsste nach Steuer sicher mehr als 3,6 % bringen, um die Sondertilgung zu schlagen — und „sicher“ und „mehr als 3,6 %“ passen selten zusammen. Wer die Grundsatzfrage vertiefen will, findet in unserem Vergleich ETF vs. Immobilie die längere Herleitung.

Psychologie zählt mit: Rechnerisch ist die Entscheidung oft knapp. Praktisch gewinnt die Sondertilgung häufig, weil eine schwindende Restschuld greifbare Sicherheit gibt und niemand in Versuchung führt, das Anlagegeld zwischendurch auszugeben. Ein schuldenfreies Zuhause hat einen Wert, der in keiner Renditetabelle steht.

Wie viel Sondertilgung ist sinnvoll?

Zwei Grenzen bestimmen, wie viel du sinnvoll sondertilgen kannst: deine Liquidität und dein vertragliches Sondertilgungsrecht.

Von der Liquiditätsseite gilt: Tilge nur Geld, das über deinem Notgroschen liegt und das du in absehbarer Zeit nicht brauchst. Alles, was du in die Restschuld steckst, ist gebunden — du kommst nicht ohne Weiteres wieder heran. Ein zu ehrgeiziger Tilger, der bei der ersten größeren Rechnung wieder einen teuren Kredit aufnehmen muss, hat sich verrechnet.

Von der Vertragsseite gilt: Die meisten Banken räumen ein kostenloses Sondertilgungsrecht von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr ein, manche 10 % oder einen festen Betrag. Bei einem Darlehen von 250.000 € sind das 12.500 € pro Jahr, die du kostenlos extra tilgen darfst. Diesen Rahmen auszuschöpfen ist sinnvoll, solange es keine wichtigere oder höher verzinste Verwendung für das Geld gibt.

Die 5-%-Faustregel: Wenn dein Vertrag 5 % kostenlose Sondertilgung pro Jahr erlaubt, ist das eine gute Zielmarke — vorausgesetzt, Notgroschen und teure Schulden sind erledigt und das Geld wird nicht bald gebraucht. Mehr als das vertraglich Erlaubte kostet meist eine Vorfälligkeitsentschädigung und lohnt sich selten.

Wann eine Sondertilgung nicht sinnvoll ist

So stark die Sondertilgung meist ist — es gibt klare Situationen, in denen dein Geld woanders besser aufgehoben ist:

Sonderfall Anschlussfinanzierung: Läuft deine Zinsbindung bald aus, kann es klüger sein, Geld für die Anschlussfinanzierung zurückzuhalten und dann in einem Zug einen großen Teil abzulösen — besonders, wenn das aktuelle Zinsniveau höher liegt als dein alter Vertrag. Bei einem neuen Darlehen zählt jeder getilgte Euro sofort zum höheren Zins.

Das Sondertilgungsrecht im Vertrag

Ob und wie viel du sondertilgen darfst, steht im Darlehensvertrag. Drei Punkte solltest du kennen, bevor du unterschreibst oder eine Sondertilgung planst.

Sondertilgungsrecht: meist kostenlos bis 5 %

Ein vereinbartes Sondertilgungsrecht erlaubt dir, innerhalb der Zinsbindung kostenlos zusätzlich zu tilgen — typischerweise bis zu 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Manche Banken bieten das Recht ohne Aufpreis, andere lassen sich einen höheren Rahmen mit einem minimalen Zinsaufschlag vergüten. Weil Flexibilität im aktuellen Zinsumfeld wertvoll ist, lohnt es sich fast immer, ein großzügiges Sondertilgungsrecht mitzuverhandeln. Beim Vergleich der Konditionen hilft dir ein sauberer Zinsvergleich und die Wahl der passenden Bank.

Ohne Sondertilgungsrecht: Vorfälligkeitsentschädigung

Ist kein Sondertilgungsrecht vereinbart und du willst trotzdem außerplanmäßig zurückzahlen, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen — einen Ausgleich für die entgangenen Zinsen. Diese kann erheblich sein und macht eine Sondertilgung dann oft unwirtschaftlich. Prüfe deshalb immer zuerst, was dein Vertrag hergibt.

Das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren

Ein wichtiges Recht, das viele nicht kennen: Nach Paragraf 489 BGB darfst du ein Darlehen mit gebundenem Sollzins zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit einer Frist von sechs Monaten ganz oder teilweise ablösen — und zwar ohne Vorfälligkeitsentschädigung, unabhängig davon, was im Vertrag steht. Wer eine lange Zinsbindung über zehn Jahre gewählt hat, kann also nach zehn Jahren größere Beträge frei tilgen oder umschulden. Das ist ein starkes Argument, um Kapital gezielt bis zu diesem Zeitpunkt anzusparen.

Vor dem Abschluss checken: Höhe des kostenlosen Sondertilgungsrechts (5 oder 10 %?), Kosten für ein erweitertes Recht, Möglichkeit zum Tilgungssatzwechsel und die Restlaufzeit bis zum 10-Jahres-Sonderkündigungsrecht. Diese vier Punkte entscheiden, wie flexibel du später tilgen kannst.

Schritt für Schritt: so tilgst du sonder

Ist die Entscheidung gefallen, ist die Umsetzung einfach. In der Praxis gehst du so vor:

  1. Vertrag prüfen. Wie hoch ist dein kostenloses Sondertilgungsrecht pro Jahr, und bis wann gilt es (oft ein Stichtag pro Kalenderjahr)?
  2. Liquidität checken. Notgroschen steht, keine teureren Schulden offen, Geld wird nicht bald gebraucht.
  3. Betrag festlegen. Innerhalb des kostenlosen Rahmens (z. B. bis 5 % der Darlehenssumme).
  4. Bank informieren. Sondertilgung schriftlich oder über das Online-Banking ankündigen — manche Banken verlangen eine kurze Vorlaufzeit oder einen festen Termin.
  5. Überweisen und Bestätigung sichern. Nach der Zahlung die neue Restschuld und den aktualisierten Tilgungsplan anfordern.
  6. Effekt kontrollieren. Prüfen, ob Laufzeit oder Rate wie erwartet angepasst wurden — und ob deine Cashflow-Rechnung bei einer Kapitalanlage weiterhin aufgeht.

Timing-Tipp: Viele Banken erlauben die kostenlose Sondertilgung pro Kalenderjahr. Eine Sondertilgung im Dezember und die nächste im Januar liegen nur wenige Wochen auseinander, nutzen aber zwei Jahresrahmen — so bringst du in kurzer Zeit den doppelten Betrag unter.

Fazit

Eine Sondertilgung ist eine der sichersten „Geldanlagen“, die es gibt: Sie bringt eine garantierte, risikofreie Rendite in Höhe deines Sollzinses — beim Eigenheim sogar steuerfrei. 2026, mit Bauzinsen um 3,6 %, ist das ein starkes Argument. Sinnvoll ist sie aber erst, wenn der Notgroschen steht, keine teureren Schulden laufen und das Geld nicht bald gebraucht wird. Dann gilt: Früh und regelmäßig tilgen wirkt am stärksten.

Der wichtigste Unterschied bleibt die Nutzung: Beim selbst genutzten Eigenheim ist die Sondertilgung fast immer richtig. Bei der vermieteten Kapitalanlage zählt die Zinsersparnis nach Steuer — hier lohnt es sich, genauer zu rechnen und die Sondertilgung gegen den bewussten Einsatz von Fremdkapital abzuwägen. Genau hier setzen wir an: erst aufklären, dann vermitteln, in dieser Reihenfolge. Wenn du deine Finanzierung durchrechnen oder wissen möchtest, ob Tilgung oder ein anderer Weg zu deinem Ziel passt, unterstützen wir dich gern.

Häufige Fragen zur Sondertilgung

Ist eine Sondertilgung sinnvoll?

Eine Sondertilgung ist sinnvoll, wenn die Zinsersparnis höher ist als die Rendite, die du mit dem Geld anderswo sicher erzielen könntest. Weil sie Zinsen exakt in Höhe deines Sollzinses spart, entspricht sie einer risikofreien Rendite in Höhe des Kreditzinses. Beim selbst genutzten Eigenheim mit 3,6 % Sollzins ist das ein starkes Argument. Bei einer vermieteten Kapitalanlage ist die Rechnung differenzierter, weil die gesparten Zinsen sonst als Werbungskosten die Steuer gemindert hätten — hier zählt die Zinsersparnis nach Steuer. Immer gilt: Erst Notgroschen und teure Konsumkredite, dann die Sondertilgung.

Wie viel Sondertilgung ist sinnvoll?

Als Orientierung: Tilge nur so viel, wie über deinem Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben liegt und was du nicht bald brauchst. Die meisten Banken erlauben kostenlos eine Sondertilgung von bis zu 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Diesen Rahmen auszuschöpfen ist sinnvoll, wenn keine höher verzinste oder wichtigere Verwendung für das Geld existiert. Wer flexibel bleiben will, tilgt lieber unregelmäßig per Sondertilgung, statt sich über einen hohen Tilgungssatz dauerhaft zu binden.

Sondertilgung oder Tilgungssatz erhöhen — was ist besser?

Beide senken Restschuld und Zinskosten. Der Unterschied liegt in der Flexibilität: Ein höherer Tilgungssatz erhöht deine Rate dauerhaft und ist verbindlich, spart aber am meisten Zinsen und Zeit. Eine Sondertilgung ist freiwillig und flexibel — du zahlst zusätzlich, wenn Geld übrig ist, und lässt es, wenn es eng wird. Wer ein sicheres, stabiles Einkommen hat und maximal schnell entschulden will, fährt mit einem höheren Tilgungssatz gut. Wer unregelmäßige Einnahmen hat oder Liquidität schätzt, ist mit dem Sondertilgungsrecht flexibler.

Ist eine Sondertilgung steuerlich absetzbar?

Nein. Eine Sondertilgung ist — wie jede Tilgung — nicht steuerlich absetzbar, weder beim Eigenheim noch bei der vermieteten Immobilie. Absetzbar sind bei einer Kapitalanlage nur die Zinsen als Werbungskosten. Weil eine Sondertilgung die Restschuld und damit die künftigen Zinsen senkt, verringert sie bei einer vermieteten Immobilie sogar den steuerlich absetzbaren Zinsaufwand. Für Vermieter mit hohem Steuersatz relativiert das den Vorteil der Sondertilgung, hebt ihn aber nicht auf.

Kann ich immer sondertilgen oder nur mit vereinbartem Recht?

Nur wenn im Darlehensvertrag ein Sondertilgungsrecht vereinbart ist, kannst du innerhalb der Zinsbindung kostenlos zusätzlich tilgen. Ist keins vereinbart und du willst außerplanmäßig zurückzahlen, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Unabhängig davon gilt: Nach 10 Jahren ab vollständiger Auszahlung darfst du das Darlehen laut Paragraf 489 BGB mit sechsmonatiger Frist ganz oder teilweise ablösen — ohne Vorfälligkeitsentschädigung, egal was im Vertrag steht.

Lohnt sich Sondertilgung oder lieber Geld anlegen?

Das ist ein Vergleich von sicherer Zinsersparnis gegen unsichere Anlagerendite. Die Sondertilgung bringt eine garantierte, risikofreie Rendite in Höhe deines Sollzinses. Eine Geldanlage kann mehr bringen, ist aber mit Risiko und Schwankung verbunden und muss versteuert werden. Faustregel: Übersteigt dein Sollzins die realistisch nach Steuer erzielbare Anlagerendite, ist die Sondertilgung die bessere Wahl. Liegt dein Zins sehr niedrig und traust du dir eine höhere Anlagerendite zu, kann Anlegen sinnvoller sein. Sicherheit, Steuer und dein Bauchgefühl gehören mit in die Abwägung.

Paul Kohl
Gründer & Inhaber, immobilie.kaufen

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