← Alle Reports
Markt-Report Juli 2026 15 Min. Lesezeit

Der Markt-Report Q3 2026

Zinswende der EZB, Bauzinsen, Preis- und Mietdynamik sowie die Neubau-Trendwende und regionale Hotspots für Kapitalanlage-Immobilien in Deutschland — kompakt, datenbasiert und mit Quellenangaben.

Fakten auf einen Blick
Ø Bauzins 10J
~3,9 %
Kaufpreise Wohnen (YoY)
+2,3 %
Neuvertragsmieten (YoY)
+3,0 %
EZB-Einlagenzins
2,25 %
Inflation Eurozone
2,8 %
Baugenehmigungen (YoY)
+9,2 %
Baupreise Neubau (YoY)
+3,3 %
Stimmung
Zinswende, Markt robust
Kurzfassung

Das Wichtigste in 60 Sekunden

Das dritte Quartal 2026 steht im Zeichen einer Zinswende: Die EZB hat im Juni erstmals seit 2023 wieder angehoben. Der Wohnimmobilienmarkt zeigt sich davon unbeeindruckt — Preise und Mieten steigen weiter moderat, die Nachfrage zieht in den Metropolen deutlich an. Für Kapitalanleger verschiebt sich die Logik: Nicht mehr auf fallende Zinsen warten, sondern tragfähige Objekte zu heute kalkulierbaren Konditionen sichern.

Makroökonomisches Umfeld

Das makroökonomische Umfeld hat im Sommer 2026 eine bemerkenswerte Wendung genommen. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins über 2024 und 2025 schrittweise gesenkt hatte, hat sie am 11. Juni 2026 die Richtung gedreht und die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben — die erste Anhebung seit September 2023. Der Einlagenzins liegt seither bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 %. Auslöser war ein Wiederanstieg der Inflation im Frühjahr.

Im Juni 2026 kühlte sich die Teuerung im Euroraum jedoch bereits wieder ab: Die jährliche Inflationsrate lag laut Eurostat-Schnellschätzung bei 2,8 %, nach 3,2 % im Mai. Getrieben wird sie weiterhin von Energie (+8,7 %) und Dienstleistungen (+3,2 %). Die EZB-Projektionen sehen die Inflation 2026 im Mittel bei rund 3,0 % und erst 2027 wieder bei 2,3 %. Für Immobilienkäufer bedeutet das: Die Phase sinkender Finanzierungskosten ist vorerst beendet — ohne dass ein neuer Zinsschock wie 2022 droht.

Kennzahl Wert Q3/2026 Einordnung
EZB-Einlagenzins 2,25 % +25 Bp am 11.06.2026 (erste Anhebung seit 09/2023)
EZB-Hauptrefinanzierungssatz 2,40 % Straffungsmodus
Inflation Eurozone (Juni, Flash) 2,8 % von 3,2 % im Mai gesunken
Inflations-Projektion 2026 (EZB) ~3,0 % über Ziel, Rückgang auf 2,3 % für 2027 erwartet
BIP-Prognose Eurozone 2026 (Eurosystem) +0,8 % Schwache Erholung, 2027 +1,2 %

Die konjunkturelle Grundlage bleibt fragil: Das Eurosystem rechnet für 2026 nur mit einem Wachstum von +0,8 %, das sich 2027 auf +1,2 % und 2028 auf +1,5 % beschleunigen soll. Solange Beschäftigung und Einkommen stabil bleiben, bleibt auch die Mietzahlungsfähigkeit gewährleistet — ein zentraler Stützpfeiler für die Wohnungsnachfrage.

Historische Einordnung: Der Zinszyklus dreht

Um die aktuelle Lage einzuordnen, hilft der Blick auf den Zyklus. Zwischen 2015 und 2021 herrschte eine historisch einmalige Niedrigzinsphase mit 10-Jahres-Bauzinsen unter 1,5 %. Der Zinsschock 2022 (Anstieg auf über 4 % binnen Monaten) war die Rückkehr zur Normalität. 2024/2025 folgte eine leichte Entspannung — und nun, 2026, die erste Gegenbewegung: Die EZB strafft wieder. Das aktuelle Bauzinsniveau von rund 3,4–4 % entspricht dabei weiterhin dem langfristigen Durchschnitt und ist für solide kalkulierte Investments tragfähig.

📈 Einordnung
Wer heute kauft, kauft zu „normalen“ Zinsen — nicht zu krisenhaft hohen. Neu ist: Der Zinszyklus zeigt nach der Anhebung im Juni wieder nach oben. Das entwertet die weit verbreitete Strategie, auf sinkende Zinsen zu warten. Investments, die bei 3,4–4 % Zins funktionieren, sind langfristig robust aufgestellt.

Zinsentwicklung und Prognose

Die Bauzinsen haben den EZB-Schritt weitgehend vorweggenommen. Weil der Markt die Anhebung bereits eingepreist hatte, blieben die Konditionen im Anschluss an den 11. Juni erstaunlich stabil. Zehnjährige Darlehen bewegen sich Anfang Juli 2026 in einer Plateauzone um rund 4 %, während die besten Konditionen für Kunden mit Top-Bonität deutlich darunter liegen.

Aktuelle Konditionen (10 Jahre Zinsbindung)

Kennzahl Wert Quelle / Stand
Ø Bauzins 10J Zinsbindung ~3,9 % Interhyp, Anfang Juni 2026
Top-Kondition 10J (Top-Bonität) ~3,39 % Dr. Klein, 06.07.2026
Erwartete Spanne Top-Kondition Juli 3,4–3,6 % Marktkommentare, Juli 2026
Markttendenz 10J Plateau ~4 % seitwärts, leichte Aufwärtsneigung

Zur Einordnung: Der durchschnittliche 10-Jahres-Zins liegt mit rund 3,9 % etwa dort, wo er sich seit Ende 2024 eingependelt hat. Der Unterschied zwischen Durchschnitts- und Top-Kondition (rund 0,5 Prozentpunkte) zeigt, wie wichtig Bonität, Eigenkapitalquote und ein sauberer Objektnachweis für die tatsächliche Kondition sind.

Was die EZB-Wende für die Prognose bedeutet

Anders als in den Vorquartalen deutet der Expertenkonsens nun nicht mehr eindeutig nach unten. Nach der Juni-Anhebung halten einzelne Häuser (u. a. LBBW Research) im Jahresverlauf 2026 weitere kleine Zinsschritte für möglich, die den Einlagenzins bis zum Jahresende in Richtung 2,75 % führen könnten. Für die Bauzinsen bedeutet das eher ein Verharren im aktuellen Korridor als eine spürbare Entspannung. Die nächste geldpolitische Entscheidung fällt am 23. Juli 2026.

● Empfehlung: Zinsbindung
Im gedrehten Zinsumfeld gewinnt die lange Zinsbindung an Bedeutung. Wir empfehlen eine 10–15-jährige Zinsbindung, um sich die heutigen Konditionen zu sichern. Wer auf erneut fallende Zinsen spekuliert, wettet gegen den aktuellen Trend der Geldpolitik — und riskiert höhere Anschlusskosten.

Kaufpreise: Wo es steigt, wo es stagniert

Der Aufwärtstrend bei den Wohnimmobilienpreisen hat sich zu Jahresbeginn 2026 fortgesetzt. Laut dem transaktionsbasierten Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) stiegen die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2026 um +2,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gesamtindex (inkl. Gewerbe) legte um +2,2 % zu. Die anhaltend knappe Angebotslage bei robuster Nachfrage macht das Wohnsegment zum stabilisierenden Anker des Marktes.

Die Dynamik verteilt sich nicht gleichmäßig über die Segmente. Besonders Eigentumswohnungen entwickelten sich dynamisch.

Preisentwicklung nach Segment (vdp, Q1/2026, YoY)

Segment Veränderung YoY Einordnung
Eigentumswohnungen +2,8 % Dynamischstes Wohnsegment
Selbstgenutztes Wohneigentum (EFH + ETW) +2,5 % Solider Aufwärtstrend
Wohnimmobilien gesamt +2,3 % Stabilisierender Anker
Neuvertragsmieten (zum Vergleich) +3,0 % Mieten wachsen schneller als Kaufpreise

Kaufpreisniveau ausgewählter Städte

Die folgende Übersicht zeigt das aktuelle Preisniveau für Eigentumswohnungen (Angebotspreise, Portalauswertung immowelt/ImmoScout24, Stand Juli 2026). Wo eine belegte Vorjahresveränderung vorlag, ist sie ausgewiesen — sie bezieht sich auf Angebotspreise und kann von den transaktionsbasierten vdp-Werten abweichen.

Stadt Ø Kaufpreis/m² (ETW, Angebot) Veränderung YoY Einordnung
München 8.078 € Teuerste A-Stadt
Hamburg 6.014 € A-Stadt, hohe Nachfrage
Berlin ~5.120 € Nachfrage-Rebound
Nürnberg 3.688 € +0,8 % Stabile Metropolregion
Dresden 2.946 € +2,6 % Halbleiter-Standort
Erfurt 2.767 € −2,3 % Günstiger Einstieg, Preise konsolidieren
Leipzig 2.683 € Wachstumsmarkt Mitteldeutschland
Chemnitz 1.430 € +0,6 % Niedrigstes Niveau, hohe Bruttorendite
● Insight
Die ostdeutschen B- und C-Städte bieten weiterhin das beste risikoadjustierte Rendite-Verhältnis. Die Kaufpreise liegen mit rund 1.400–3.000 €/m² deutlich unter den A-Stadt-Niveaus (München über 8.000 €), während die Bruttomietrenditen entsprechend höher ausfallen. Besonders Leipzig, Dresden und Chemnitz stechen hervor.

Mietmarkt: Nachfrage übersteigt Angebot

Der Mietmarkt bleibt der stärkste Renditetreiber — und das ist für Vermieter eine gute Nachricht. Die Neuvertragsmieten stiegen im ersten Quartal 2026 um +3,0 % gegenüber dem Vorjahr (vdp) und damit schneller als die Kaufpreise. Der ImmoScout24-WohnBarometer meldet für das zweite Quartal 2026 zudem einen deutlichen Nachfrage-Rebound in den Metropolen.

Nachfrage-Rebound in den Metropolen (Q2/2026, QoQ)

Stadt Zuwachs Mietnachfrage (QoQ) Einordnung
Hamburg +25 % Stärkster Nachfragesprung
Berlin +13 % Anhaltend hoher Druck
Leipzig +11 % Dynamischster Ost-Markt

Die Angebotsmieten selbst stiegen dabei laut ImmoScout24 in den Metropolen nur moderat (Bestand +0,5 %, Neubau +0,7 % gegenüber dem Vorquartal). Auffällig: Die Nebenkosten in unsanierten Bestandswohnungen legten binnen eines Jahres um +3,8 % auf 3,28 €/m² zu — und damit stärker als die Kaltmieten. Für Vermieter unterstreicht das den Wert energetisch solider Objekte.

Treiber der Mietentwicklung

📈 Fazit Mietmarkt
Das Segment 2–3 Zimmer in Großstädten bietet die stärkste Kombination aus hoher Nachfrage, geringem Leerstandsrisiko und solidem Mietwachstum. Da Mieten (+3,0 %) derzeit schneller steigen als Kaufpreise (+2,3 %), verbessert sich das Rendite-Verhältnis für Neukäufe tendenziell.

Neubau: Genehmigungen drehen, Fertigstellungen fehlen

Bei der Neubautätigkeit zeichnet sich 2026 eine vorsichtige Trendwende ab — allerdings nur am oberen Ende der Pipeline. Die Baugenehmigungen legen wieder zu: Im April 2026 wurden 20.200 Wohnungen genehmigt, +9,2 % gegenüber dem Vorjahresmonat; im gesamten ersten Quartal 2026 waren es 63.500 Wohnungen, +14,6 % (Destatis). Nach Jahren des Rückgangs ist das ein deutliches Signal.

Doch Genehmigungen sind nicht gleich fertige Wohnungen. Der lange Vorlauf zwischen Genehmigung und Fertigstellung sorgt dafür, dass die Angebotslücke kurzfristig bestehen bleibt: 2025 wurden 18,0 % weniger Wohnungen fertiggestellt als im Vorjahr — Nachwirkung des Genehmigungseinbruchs der Jahre zuvor. Vom politischen Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr ist Deutschland weiterhin weit entfernt.

Die Realität in Zahlen

Kennzahl Wert Einordnung
Baugenehmigungen April 2026 +9,2 % YoY (20.200 WE) Trendwende nach oben
Baugenehmigungen Q1 2026 (Jan–März) +14,6 % YoY (63.500 WE) Erholung auf niedrigem Niveau
Fertiggestellte Wohnungen 2025 −18,0 % YoY Nachlaufender Tiefstand
Baupreisindex Neubau Wohngebäude (Feb 2026) +3,3 % YoY Baukosten weiter steigend
Politisches Ziel 400.000 WE/Jahr Weiterhin klar verfehlt

Warum der Mangel anhält

  1. Zeitverzug: Zwischen Genehmigung und Bezug liegen üblicherweise zwei bis drei Jahre. Die steigenden Genehmigungen von 2026 entlasten den Markt frühestens 2028/2029.
  2. Steigende Baukosten (+3,3 %): Die Preise für den Neubau konventioneller Wohngebäude lagen im Februar 2026 um 3,3 % über dem Vorjahr (Rohbau +2,7 %, Ausbau +3,8 %). Viele Projekte rechnen sich bei aktuellen Verkaufspreisen weiterhin nur knapp.
  3. Fachkräftemangel: Der Bausektor leidet unter einem anhaltenden Mangel an qualifizierten Handwerkern.
  4. Regulatorische Hürden: Energetische Auflagen, Stellplatzpflichten und langwierige Verfahren verteuern und verzögern Bauprojekte.
⚠ Was bedeutet das für Bestandsimmobilien?
Auch wenn die Genehmigungen wieder anziehen: Am Markt für bezugsfertige Wohnungen bleibt das Angebot bis auf Weiteres knapp. Diese Angebotslücke stützt Mieten und Preise bestehender Immobilien. Für Kapitalanleger, die heute Bestandswohnungen kaufen, ist der anhaltende Fertigstellungsrückstand ein preisstabilisierender Faktor.

Regionale Hotspots Q3/2026

Nicht alle Märkte entwickeln sich gleich. Wir haben fünf Städte identifiziert, die im dritten Quartal 2026 durch eine Kombination aus struktureller Nachfrage, attraktiven Einstiegspreisen und belegbaren Wachstumstreibern auffallen. Bewusst nicht mehr dabei ist Magdeburg: Das als Treiber gehandelte Intel-Großprojekt wurde im Juli 2025 endgültig abgesagt (mehr dazu im Kapitel Risiken).

# Stadt Ø Kaufpreis/m² Signal Q2/Q3 Treiber
1 Leipzig 2.683 € Nachfrage +11 % QoQ Wachstumsmotor Mitteldeutschland
2 Dresden 2.946 € Preis +2,6 % YoY Silicon Saxony / ESMC-Chipfabrik
3 Berlin ~5.120 € Nachfrage +13 % QoQ Metropole mit Nachfrage-Rebound
4 Nürnberg 3.688 € Preis +0,8 % YoY Stabile, diversifizierte Metropolregion
5 Erfurt 2.767 € Günstiger Einstieg ICE-Knoten mit Aufholpotenzial

Leipzig: Wachstumsmotor Mitteldeutschland

Leipzig bleibt der dynamischste Markt Ostdeutschlands. Die Mietnachfrage legte im zweiten Quartal 2026 um +11 % gegenüber dem Vorquartal zu — der stärkste Zuwachs aller ostdeutschen Großstädte. Die Wirtschaft diversifiziert sich über Automobil (BMW, Porsche), Logistik (DHL-Drehkreuz) und eine wachsende Tech- und Kreativszene. Dabei liegt der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen mit rund 2.683 € (Angebot, Juli 2026) weiterhin deutlich unter dem Niveau vergleichbarer westdeutscher Städte — ein günstiges Einstiegsniveau in einen Wachstumsmarkt.

Dresden: Silicon Saxony und der ESMC-Effekt

Dresden profitiert vom größten Mikroelektronik-Cluster Europas. Im Stadtteil Rähnitz baut die ESMC — ein Gemeinschaftsunternehmen von TSMC, Bosch, Infineon und NXP mit einem Investitionsvolumen von über 10 Mrd. € — eine neue Chipfabrik. Das Richtfest fand im Januar 2026 statt, im Sommer sind mehrere Tausend Bauarbeiter auf der Baustelle, die Produktion soll Ende 2027 anlaufen. Insgesamt zählt Silicon Saxony rund 80.000 Beschäftigte; jeder dritte in Europa gefertigte Chip stammt aus Sachsen. Der Immobilienmarkt reagiert: Die ETW-Preise stiegen um +2,6 % YoY (2.946 €/m²). Anders als beim abgesagten Intel-Projekt in Magdeburg ist die Dresdner Ansiedlung real im Bau — das senkt das Umsetzungsrisiko erheblich.

Berlin: Metropole mit Nachfrage-Rebound

Berlin verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Anstieg der Mietnachfrage um +13 % gegenüber dem Vorquartal — ein Zeichen für den anhaltend hohen Druck auf den ohnehin engen Mietmarkt. Mit rund 5.120 €/m² für Eigentumswohnungen liegt das Preisniveau klar unter München und Hamburg. Die tiefe strukturelle Wohnungsknappheit der Hauptstadt macht Berlin für Vermieter attraktiv, auch wenn die Bruttorendite unter der ostdeutscher B-Städte bleibt.

Nürnberg: Stabile Metropolregion

Nürnberg bietet, was viele Anleger suchen: Stabilität ohne Euphorie. Die Metropolregion gehört zu den wirtschaftsstärksten Deutschlands, mit einer diversifizierten Unternehmenslandschaft (Siemens, Continental, Datev). Die ETW-Preise stiegen zuletzt moderat um +0,8 % YoY auf rund 3.688 €/m². Ein Markt für Anleger, die Wert auf Sicherheit und einen verlässlichen Cashflow legen.

Erfurt: ICE-Knoten mit Aufholpotenzial

Erfurt ist als Landeshauptstadt Thüringens und ICE-Knotenpunkt strategisch gut positioniert. Mit rund 2.767 €/m² bietet die Stadt einen günstigen Einstieg; die Angebotspreise haben zuletzt leicht nachgegeben (−2,3 % YoY laut Portalauswertung), was Verhandlungsspielraum eröffnet. Das Aufholpotenzial gegenüber Leipzig und Dresden macht Erfurt für geduldige Anleger interessant.

Risiken und Warnsignale

Trotz der insgesamt robusten Marktentwicklung gibt es Risiken, die Kapitalanleger im Blick behalten sollten. Ein verantwortungsvoller Markt-Report benennt nicht nur Chancen, sondern auch die Schattenseiten.

  1. Zins-Aufwärtsrisiko: Mit der Anhebung vom Juni ist die EZB in den Straffungsmodus zurückgekehrt. Sollte die Inflation hartnäckig bleiben, sind weitere Schritte möglich — das würde Neu- und Anschlussfinanzierungen verteuern.
  2. Inflations-Comeback: Die EZB-Projektion sieht 2026 im Mittel rund 3,0 % Inflation. Volatile Energiepreise (+8,7 % im Juni) bleiben ein Risikofaktor für Kaufkraft und Nebenkosten.
  3. Klumpenrisiko bei Großprojekten: Das Beispiel Magdeburg mahnt. Die geplante Intel-Chipfabrik (Investitionsvolumen über 30 Mrd. €) wurde im Juli 2025 endgültig abgesagt — samt der 3.000 versprochenen Arbeitsplätze. Wer sein Investment allein auf ein einzelnes Ansiedlungsversprechen stützt, trägt ein hohes Risiko.
  4. Regulierung: Eine Verschärfung der Mietpreisbremse oder neue energetische Sanierungspflichten könnten Renditen belasten und Betriebskosten erhöhen.
  5. Fragile Konjunktur: Das Eurozone-Wachstum von nur +0,8 % ist dünn. Eine Rezession würde steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Mietnachfrage und Druck auf die Preise bedeuten.
⚠ Warnsignal: Abhängigkeit von Einzelfaktoren
Die Intel-Absage in Magdeburg zeigt, wie schnell eine vermeintliche „Boom-Story“ kippen kann. Achten Sie bei jedem Investment darauf, dass die Mietrendite nach Finanzierungskosten auch ohne Sondereffekt tragfähig bleibt. Kaufen Sie niemals allein auf Wertsteigerungshoffnung.

Was das für Kapitalanleger bedeutet

Die aktuelle Marktlage bleibt für Kapitalanleger chancenreich — aber die Logik hat sich verschoben. Die Preise steigen wieder moderat, die Mietdynamik stützt die laufende Rendite, und die Angebotsknappheit sichert Bestand ab. Neu ist: Der Zinszyklus zeigt nach der Juni-Anhebung wieder nach oben. Das macht Abwarten teuer — wer heute solide kalkuliert, sichert sich planbare Konditionen.

Unsere fünf Empfehlungen für Q3/2026

  1. Zinswende ernst nehmen — Konditionen jetzt sichern: Nach der EZB-Anhebung ist die Wette auf weiter fallende Zinsen riskanter geworden. Wer ein passendes Objekt findet, sollte die aktuellen Konditionen mit einer langen Zinsbindung fixieren, statt auf ein günstigeres Fenster zu warten.
  2. Fokus auf B- und C-Städte mit hoher Bruttorendite: Leipzig, Dresden, Chemnitz und Erfurt bieten günstige Einstiegspreise (rund 1.400–3.000 €/m²) bei überschaubarem Risiko. A-Städte sind für Cashflow-Anleger meist zu teuer.
  3. Bestand bevorzugen: Bestandsimmobilien sind pro m² günstiger als Neubau (Baupreise +3,3 %), bieten höhere Mietrenditen und profitieren vom anhaltenden Fertigstellungsrückstand.
  4. Segment 2–3 Zimmer priorisieren: Die Nachfrage ist hier am höchsten, das Leerstandsrisiko am geringsten. Ideal: 50–75 m², möglichst mit Balkon, in stadtnaher Lage — und mit Blick auf Energieeffizienz, da die Nebenkosten spürbar steigen.
  5. Struktur vor Story: Setzen Sie auf Städte mit breiter wirtschaftlicher Basis und belegbarer Nachfrage — nicht auf einzelne Ansiedlungsversprechen. Die Intel-Absage in Magdeburg ist die Lektion des Jahres.
● Kernaussage
Der Markt belohnt aktuell diejenigen, die fundiert analysieren, realistisch kalkulieren und handlungsfähig sind. Die gedrehte Zinserwartung macht Timing-Spekulationen unattraktiver — wer ein solides Objekt zu einer tragfähigen Rendite findet, sollte handeln.

Fazit und Ausblick Q4/2026

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt sich im dritten Quartal 2026 robust gegenüber der Zinswende. Die EZB strafft wieder, doch Preise und Mieten steigen weiter moderat, und die Nachfrage in den Metropolen zieht deutlich an. Für Kapitalanleger bedeutet das:

Unser Gesamturteil für Q3/2026: Robust bei gedrehter Zinserwartung. Nicht euphorisch, aber mit guten Gründen für selektive Investments — besonders in B- und C-Städten mit soliden Fundamentaldaten.

Ausblick Q4/2026: Was wir beobachten

Der nächste Markt-Report erscheint im Oktober 2026 mit den Daten für Q3/2026.

Datenquellen und Stand

Dieser Report basiert auf öffentlich verfügbaren Primärdaten. Die wichtigsten Kennzahlen und ihre Quellen im Überblick:

Kennzahl Wert Quelle Stand
Bauzins 10J (Ø / Top) ~3,9 % / ~3,39 % Interhyp, Dr. Klein Juni/Juli 2026
EZB-Leitzins (Einlagen / Hauptrefi) 2,25 % / 2,40 % EZB, LBBW Research 11.06.2026
Inflation Eurozone 2,8 % Eurostat (Flash) Juni 2026
Kaufpreise Wohnimmobilien YoY +2,3 % vdp-Immobilienpreisindex Q1 2026
Neuvertragsmieten YoY +3,0 % vdp / vdpResearch Q1 2026
Baugenehmigungen YoY +9,2 % (April) / +14,6 % (Q1) Statistisches Bundesamt (Destatis) April / Q1 2026
Baupreisindex Neubau Wohngebäude YoY +3,3 % Statistisches Bundesamt (Destatis) Februar 2026
Mietnachfrage Metropolen (QoQ) Hamburg +25 %, Berlin +13 %, Leipzig +11 % ImmoScout24 WohnBarometer Q2 2026
Kaufpreise ausgewählter Städte (ETW, Angebot) siehe Tabelle immowelt / ImmoScout24 Juli 2026

Hinweis: Dieser Report stellt keine Anlageberatung dar. Alle Angaben basieren auf öffentlich verfügbaren Daten, eigener Recherche und Expertenmeinungen. Transaktionsbasierte Indizes (vdp) und Angebotspreise (Immobilienportale) können voneinander abweichen. Die tatsächlichen Werte können abweichen. Vor einer Investitionsentscheidung empfehlen wir eine individuelle Beratung und eigene Prüfung aller relevanten Faktoren.

Erstellt von Paul Kohl, immobilie.kaufen — Stand: 07/2026

Weitere Reports: Finanzierungs-Report · Käufertypen-Report · Sicherheits-Strategiealle Reports ansehen

Lass uns deine Einstiegschance bewerten

Im Strategiegespräch analysieren wir, welche Standorte und Objekte zu deiner Strategie passen.

Strategiegespräch anfragen →