Immobilie kaufen ohne Eigenkapital: Geht das 2026 — und für wen?
„Ich habe kein Erspartes — kann ich trotzdem eine Immobilie kaufen?“ Das ist eine der häufigsten Fragen, die uns erreichen. Die kurze Antwort: Ja, es geht — aber nicht für jeden, nicht mit jedem Objekt und nicht zum gleichen Zins. In diesem Ratgeber zeigen wir dir ehrlich, was eine Vollfinanzierung 2026 wirklich bedeutet, welche Voraussetzungen die Bank stellt, was der Verzicht auf Eigenkapital kostet — und warum die Rechnung für einen Kapitalanleger völlig anders aussieht als für einen Selbstnutzer.
Wir bei immo.kaufen sind Makler und Informationsplattform. Unser Anspruch ist, dich erst aufzuklären und dann zu vermitteln — nicht umgekehrt. Deshalb bekommst du hier weder Panikmache noch das Versprechen vom mühelosen Vermögen ohne Einsatz, sondern eine nüchterne Einordnung, mit der du selbst entscheiden kannst, ob der Kauf ohne Eigenkapital zu deiner Situation passt.
→ 100 % = nur der Kaufpreis wird finanziert (Nebenkosten selbst). 110 % = auch die Kaufnebenkosten laufen über den Kredit — die echte Vollfinanzierung.
→ Der Zinsaufschlag steigt mit dem Beleihungsauslauf — je nach Bank oft 0,3 bis 0,7 Prozentpunkte gegenüber einer Finanzierung mit Eigenkapital.
→ Für Kapitalanleger kann sich das rechnen: Schuldzinsen sind absetzbar und der Kredithebel wirkt — solange die Nettomietrendite über dem Zins liegt.
→ Größtes Risiko: kein Puffer. Fällt der Wert oder musst du früh verkaufen, kann die Restschuld über dem Erlös liegen.
- Was „ohne Eigenkapital“ wirklich bedeutet
- Geht das 2026 noch? Der ehrliche Marktstand
- 100- vs. 110-Prozent-Finanzierung
- Die Voraussetzungen: Wann die Bank mitspielt
- Was Vollfinanzierung kostet — mit Rechenbeispiel
- Kapitalanleger vs. Selbstnutzer: der entscheidende Unterschied
- Die Risiken ehrlich betrachtet
- Eigenkapital-Alternativen: was als Ersatz zählt
- In fünf Schritten zur Vollfinanzierung
- Fazit
Was „ohne Eigenkapital“ wirklich bedeutet
Wenn von einem Kauf „ohne Eigenkapital“ die Rede ist, meinen die meisten Menschen: Ich lege keinen Cent aus eigener Tasche dazu. Bankfachlich verbirgt sich dahinter die Vollfinanzierung — ein Darlehen, das den kompletten Kapitalbedarf deckt, statt wie klassisch einen Teil des Kaufpreises aus angespartem Vermögen zu bestreiten.
Klassisch empfehlen Banken, dass Käufer mindestens die Kaufnebenkosten und idealerweise 10 bis 20 % des Kaufpreises selbst mitbringen. Wie viel Eigenkapital sinnvoll ist und warum mehr davon den Zins senkt, haben wir ausführlich im Beitrag Wie viel Eigenkapital du für den Immobilienkauf brauchst aufgeschrieben. Die Vollfinanzierung dreht dieses Prinzip um: Sie ist der bewusste Verzicht auf genau diesen Puffer.
Der entscheidende Begriff dahinter ist der Beleihungsauslauf. Er beschreibt, welchen Anteil des Objektwerts die Bank per Darlehen abdeckt. Bei 20 % Eigenkapital liegt er bei rund 80 %, bei einer Vollfinanzierung bei 100 % und mehr. Und je höher der Beleihungsauslauf, desto höher das Risiko für die Bank — und damit der Zins. Diesen Zusammenhang solltest du dir merken, er zieht sich durch den ganzen Artikel.
Kurz gesagt: „Ohne Eigenkapital kaufen“ heißt nicht „ohne Voraussetzungen kaufen“. Was du an Erspartem nicht mitbringst, muss die Bank über Bonität, Einkommen und Objektwert abgesichert bekommen. Das Eigenkapital wird nicht gestrichen — es wird durch andere Sicherheiten ersetzt.
Geht das 2026 noch? Der ehrliche Marktstand
In der Niedrigzinsphase bis 2022 war die Vollfinanzierung fast zur Normalität geworden. Mit dem Zinsanstieg wurden Banken deutlich vorsichtiger — und viele Käufer glaubten, ohne Eigenkapital gehe gar nichts mehr. Beides ist zu pauschal. 2026 gilt: Die Vollfinanzierung ist zurück in der Nische, aus der sie kommt. Sie ist möglich, aber sie ist wieder das, was sie immer sein sollte — ein Instrument für bonitätsstarke Käufer, nicht der Standardweg für alle.
Bei Bauzinsen von rund 3,8 % im Jahr 2026 rechnet sich eine Immobilie nicht mehr von allein — und genau deshalb schaut die Bank bei einer Vollfinanzierung besonders genau hin. Entscheidend ist die Kombination aus einem Einkommen, das die höhere Rate locker trägt, und einem Objekt, dessen Wert stabil ist. Wo die Zinsen aktuell stehen und wie du den günstigsten Anbieter findest, liest du in unserem Baufinanzierung-Zinsvergleich.
Wichtig zu verstehen: Banken finanzieren ohne Eigenkapital ungern Objekte mit Instandhaltungsstau oder in strukturschwachen Regionen — dort ist das Risiko eines Wertverlusts am größten, und genau dieses Risiko federt normalerweise das Eigenkapital ab. Eine gute, gefragte Lage ist bei der Vollfinanzierung deshalb kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Finger weg von unseriösen Versprechen: Wer dir eine Vollfinanzierung „garantiert“, ohne dein Einkommen und das Objekt zu kennen, verkauft dir nicht die beste Lösung, sondern die teuerste. Eine seriöse Bank prüft immer beides — deine Bonität und den Wert der Immobilie.
100- vs. 110-Prozent-Finanzierung
„Ohne Eigenkapital“ ist nicht gleich „ohne Eigenkapital“. Es gibt zwei Stufen, und der Unterschied entscheidet darüber, ob und zu welchem Preis die Bank mitspielt.
Die 100-Prozent-Finanzierung
Hier finanziert die Bank den reinen Kaufpreis zu 100 %. Die Kaufnebenkosten — Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklercourtage — zahlst du selbst. Das ist wichtig, denn diese Nebenkosten sind kein Kleingeld: Je nach Bundesland summieren sie sich auf 9 bis 12 % des Kaufpreises. Wie sich dieser Block genau zusammensetzt, zeigt der Beitrag Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf; deine konkrete Summe rechnest du in einer Minute mit dem Kaufnebenkosten-Rechner aus.
Die 100-Prozent-Finanzierung ist der deutlich häufigere und einfacher zu bekommende Fall, weil der Kredit einen realen Gegenwert hat: die Immobilie. Fällt der Kredit aus, kann die Bank das Objekt verwerten und bekommt in der Regel ihr Geld zurück.
Die 110-Prozent-Finanzierung
Das ist die echte Vollfinanzierung: Die Bank finanziert Kaufpreis und Nebenkosten — du bringst tatsächlich null Euro mit. Die Zahl 110 steht sinnbildlich für Kaufpreis (100) plus rund 10 % Nebenkosten. Der Haken: Die Nebenkosten schaffen keinen Gegenwert, den die Bank im Ernstfall verkaufen kann. Sie sind mit dem Kauf schlicht weg. Damit finanziert die Bank einen Teil, der sofort „verbrannt“ ist — und genau deshalb ist die 110-Prozent-Variante schwerer zu bekommen, teurer und nur bei erstklassiger Bonität realistisch.
| Variante | Was finanziert wird | Dein Eigenanteil | Erreichbarkeit |
|---|---|---|---|
| 80–90 % (klassisch) | Teil des Kaufpreises | EK + Nebenkosten | gut, bester Zins |
| 100 % | voller Kaufpreis | nur Nebenkosten | bei guter Bonität |
| 110 % | Kaufpreis + Nebenkosten | 0 € | nur bei Top-Bonität |
Die Voraussetzungen: Wann die Bank mitspielt
Ob eine Vollfinanzierung klappt, entscheidet sich an zwei Fronten: an dir als Kreditnehmer und an der Immobilie als Sicherheit. Beide müssen überzeugen — ein Top-Einkommen rettet kein Schrottobjekt, und die Traumwohnung nutzt nichts, wenn die Haushaltsrechnung nicht trägt.
Was die Bank bei dir sehen will
- Hohes, sicheres Einkommen: am besten unbefristet angestellt, idealerweise nach der Probezeit, mit stabilem Verlauf. Selbstständige brauchen aussagekräftige Zahlen mehrerer Jahre.
- Saubere SCHUFA: keine Negativmerkmale, keine offenen Ratenkredite in größerem Umfang. Jeder laufende Kredit senkt den finanzierbaren Betrag.
- Gute Haushaltsrechnung: Nach Abzug aller Fixkosten und der neuen Rate muss ein komfortabler Puffer bleiben — auch, wenn der Zins bei der Anschlussfinanzierung später höher liegt.
- Ausreichende Sparquote: Wer nachweislich Monat für Monat Geld zurücklegt, zeigt der Bank, dass er eine hohe Rate tragen kann — auch ohne angesammeltes Eigenkapital.
Was die Bank beim Objekt verlangt
- Gute, gefragte Lage: stabile Nachfrage, funktionierender Mietmarkt, keine Abwanderungsregion.
- Marktgerechter Kaufpreis: Die Bank lässt den Wert schätzen. Liegt der Kaufpreis deutlich über dem Beleihungswert, sinkt die finanzierbare Summe.
- Kein Instandhaltungsstau: ein gepflegtes Objekt ohne akuten Sanierungsbedarf.
Häufig verlangt die Bank bei der Vollfinanzierung zusätzlich eine höhere Anfangstilgung von zwei bis drei Prozent, damit die Restschuld schneller sinkt und der Beleihungsauslauf sich zügig entspannt. Das erhöht die Monatsrate zwar, ist aber ein Sicherheitsnetz — für die Bank und für dich.
Praxistipp: Rechne vor dem ersten Bankgespräch selbst durch, welche Rate du dauerhaft stemmen kannst und wie sich Zins und Tilgung auf die Laufzeit auswirken. Mit dem Finanzierungsrechner siehst du in Sekunden, wie stark die fehlenden Eigenmittel Rate und Gesamtkosten nach oben treiben.
Was Vollfinanzierung kostet — mit Rechenbeispiel
Der Verzicht auf Eigenkapital ist nicht gratis. Er kostet an zwei Stellen: über den höheren Zinssatz (weil der Beleihungsauslauf steigt) und über die größere Darlehenssumme (weil nichts angespart wurde). Beide Effekte zusammen machen den Unterschied deutlich spürbar.
Wie hoch der Zinsaufschlag ausfällt, hängt von Bank und Bonität ab. Als Orientierung: Gegenüber einer Finanzierung mit rund 20 % Eigenkapital liegt der Aufschlag bei einer Vollfinanzierung häufig bei etwa 0,3 bis 0,7 Prozentpunkten. Das klingt wenig, summiert sich über die Jahre aber erheblich. Rechnen wir es an einer Wohnung für 250.000 € durch:
| Szenario | mit 20 % EK | Vollfinanzierung (110 %) |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 250.000 € | 250.000 € |
| Kaufnebenkosten (10 %) | 25.000 € | 25.000 € |
| Eingesetztes Eigenkapital | 75.000 € | 0 € |
| Darlehenssumme | 200.000 € | 275.000 € |
| Sollzins (Beispiel) | 3,8 % | 4,4 % |
| Zinskosten Jahr 1 | 7.600 € | 12.100 € |
Allein im ersten Jahr trennen die beiden Wege rund 4.500 € an Zinskosten — ein Teil davon aus dem höheren Zins, der größere Teil aus der um 75.000 € höheren Darlehenssumme. Über eine zehnjährige Zinsbindung wird daraus schnell ein deutlich fünfstelliger Betrag. Dazu kommt: Bei gleicher Tilgung dauert die Entschuldung länger, weil mehr Schuld abzutragen ist.
Die Zahlen sind bewusst als Beispiel gewählt und ersetzen kein individuelles Angebot — aber sie zeigen das Muster: Ohne Eigenkapital kaufst du dieselbe Immobilie teurer. Ob sich dieser Aufpreis lohnt, hängt davon ab, was du mit dem nicht eingesetzten Kapital anfängst und ob die Immobilie ihn wieder einspielt. Genau hier trennen sich Kapitalanleger und Selbstnutzer.
Kapitalanleger vs. Selbstnutzer: der entscheidende Unterschied
Die gleiche Vollfinanzierung kann für den einen unvernünftig und für den anderen ein durchdachter Hebel sein. Der Grund liegt in zwei Faktoren, die nur beim vermieteten Objekt greifen: Steuer und Hebeleffekt.
Warum die Rechnung für Anleger anders aussieht
Bei einer vermieteten Immobilie sind die Schuldzinsen als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Ein hoher Fremdkapitalanteil erzeugt also hohe abziehbare Zinsen, die deine Steuerlast senken. Beim Selbstnutzer ist das nicht so — die Zinsen für die selbst bewohnte Wohnung kannst du nicht von der Steuer absetzen. Schon dieser Unterschied verschiebt die Vorteilhaftigkeit der Vollfinanzierung klar in Richtung Kapitalanlage.
Der zweite Faktor ist der Hebeleffekt (Leverage): Je weniger Eigenkapital du einsetzt, desto stärker wirkt die Rendite auf dein tatsächlich gebundenes Kapital. Setzt du null Eigenkapital ein und wirft die Immobilie nach Zins und Kosten einen Überschuss ab, ist deine Eigenkapitalrendite rechnerisch enorm — weil im Nenner fast nichts steht. Wie dieser Hebel funktioniert und wo seine Grenze liegt, zeigt der Beitrag Mietrendite berechnen.
Die eine Bedingung, auf die alles ankommt: Der Hebel arbeitet nur für dich, solange die Nettomietrendite über dem Finanzierungszins liegt. Kostet der Kredit 4,4 % und bringt die Immobilie netto 3,5 %, finanzierst du jeden Monat einen Verlust — und der Hebel wirkt gegen dich. Deshalb steht vor jeder Vollfinanzierung die ehrliche Renditerechnung.
Der Cashflow muss die höhere Rate tragen
Mehr Schulden bedeuten eine höhere Monatsrate. Für den Anleger heißt das: Die Mieteinnahme muss Zins, Tilgung und Bewirtschaftung decken — sonst musst du jeden Monat aus eigener Tasche zuschießen. Ob unterm Strich etwas übrig bleibt, sagt dir nicht die Rendite, sondern der Cashflow. Eine Vollfinanzierung mit knappem oder negativem Cashflow ist ein Wagnis, das nur trägt, wenn dein übriges Einkommen die Lücke locker auffängt.
Die Risiken ehrlich betrachtet
Der größte Nachteil einer Vollfinanzierung ist nicht der Zins — es ist der fehlende Puffer. Eigenkapital ist nämlich nicht nur eine Günstigkeitsfrage, sondern eine Sicherheitsreserve. Wer ohne sie kauft, hat weniger Spielraum, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
- Restschuld über dem Wert („unter Wasser“): Fallen die Preise um 10 bis 15 % und du musst verkaufen, liegt die Restschuld schnell über dem Verkaufserlös. Die Differenz bleibt als Schuld bestehen — auch ohne Immobilie.
- Höhere Monatsrate: Größere Darlehenssumme plus höhere geforderte Tilgung ergeben eine spürbar höhere Belastung als bei einer Finanzierung mit Eigenkapital.
- Längere Laufzeit, mehr Zins: Mehr Schuld bei gleicher Rate heißt längere Tilgung — und über die Jahre summiert sich der Zinsaufwand.
- Höheres Risiko bei der Anschlussfinanzierung: Läuft die Zinsbindung aus und ist die Restschuld noch hoch, triffst du den dann gültigen Zins mit voller Wucht. Wie du dich darauf vorbereitest, liest du im Beitrag Anschlussfinanzierung 2026.
- Keine Reserve für Unvorhergesehenes: Reparatur, Mietausfall, Jobwechsel — ohne Ruecklage können kleine Störungen schnell groß werden.
Die goldene Regel: Auch bei einer Vollfinanzierung solltest du eine Liquiditätsreserve behalten — nur eben nicht als Eigenkapital in der Immobilie, sondern als Notgroschen auf dem Konto. Wer wirklich alles auf Kante näht und keinen Cent Reserve hat, sollte den Kauf verschieben. Vollfinanzierung ohne Puffer ist die riskanteste Variante überhaupt.
Eigenkapital-Alternativen: was als Ersatz zählt
Zwischen „20 % Eigenkapital gespart“ und „null Sicherheiten“ liegt eine breite Grauzone. Vieles, was nicht nach klassischem Eigenkapital aussieht, akzeptiert die Bank als Sicherheit — und senkt dafür Zins und Risiko. Bevor du eine reine 110-Prozent-Finanzierung anstrebst, prüfe diese Bausteine:
- Andere Immobilie als Sicherheit: Besitzt du (oder Familie) eine schuldenarme oder abbezahlte Immobilie, kann die Bank darauf eine zusätzliche Grundschuld eintragen. Das ersetzt Eigenkapital, ohne dass Bargeld fließt.
- Bausparguthaben und Wertpapierdepots: Angespartes im Bausparvertrag oder ein Depot zählen als Eigenmittel oder können beliehen werden.
- Verwandtendarlehen: Ein zinsgünstiges Darlehen aus der Familie, sauber vertraglich geregelt, gilt bei vielen Banken als eigenkapitalähnlich.
- Arbeitgeberdarlehen: Manche Unternehmen vergeben vergünstigte Darlehen, die den Eigenkapitalbedarf senken.
- KfW- und Förderdarlehen: Zinsgünstige oder tilgungsbezuschusste Programme reduzieren den Kapitalbedarf und verbessern die Gesamtkalkulation.
- Muskelhypothek: Bei Sanierungsobjekten rechnet die Bank Eigenleistungen, die du selbst erbringst, teilweise wie Eigenkapital an.
Je mehr belastbare Sicherheiten du bündelst, desto niedriger fällt der effektive Beleihungsauslauf aus — und desto besser wird dein Zins, selbst wenn du kein klassisches Erspartes einsetzt. Welche Bank welche Sicherheiten wie bewertet, unterscheidet sich stark; ein Vergleich lohnt sich immer, wie unser Überblick zu den besten Banken für die Baufinanzierung zeigt.
In fünf Schritten zur Vollfinanzierung
Wenn du nach dieser ehrlichen Bestandsaufnahme zum Schluss kommst, dass der Kauf ohne Eigenkapital zu dir passt, gehst du am besten strukturiert vor:
- Haushaltsrechnung aufstellen. Ermittle deine dauerhaft tragbare Rate — mit Puffer für später höhere Zinsen. Erst die Rate, dann der Kaufpreis.
- Sicherheiten sammeln. Prüfe, was du außer Bargeld einbringen kannst: weitere Immobilie, Depot, Bausparguthaben, Förderdarlehen. Jede Sicherheit senkt den Zins.
- Objekt sauber prüfen. Lage, Zustand, marktgerechter Preis, erzielbare Miete. Bei einer Kapitalanlage: Renditerechnung vor dem Bieten, nicht danach.
- Mehrere Banken vergleichen. Der Zinsaufschlag für Vollfinanzierungen streut stark. Hol dir Angebote über verschiedene Wege — ein halber Prozentpunkt entscheidet über fünfstellige Summen.
- Tilgung und Reserve festlegen. Höhere Anfangstilgung für schnelleren Schuldenabbau, aber immer mit Liquiditätsreserve auf dem Konto. Optional Sondertilgungsrecht vereinbaren — warum das sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Sondertilgung.
Tiefer einsteigen: Wie du eine tragfähige Finanzierungsstruktur aufbaust und typische Fallen vermeidest, bündelt unser Finanzierungs-Report. Und wenn du deine erste Anlageimmobilie planst, hilft dir der Beitrag Erste Immobilie: die häufigsten Fehler vermeiden, teure Anfängerfehler zu umgehen.
Fazit
Eine Immobilie ohne Eigenkapital zu kaufen ist 2026 möglich — aber es ist kein Abkürzung für Menschen mit knapper Kasse, sondern ein Instrument für bonitätsstarke Käufer mit stabilem Einkommen und einem werthaltigen Objekt. Der Verzicht auf Eigenkapital kostet Zins und erhöht das Risiko, weil der Sicherheitspuffer fehlt.
Für den Selbstnutzer ist die Vollfinanzierung meist die teuerste und riskanteste Variante. Für den Kapitalanleger dagegen kann sie ein durchdachter Hebel sein — dank absetzbarer Schuldzinsen und Leverage, solange die Nettomietrendite über dem Finanzierungszins liegt und der Cashflow die Rate trägt. Wie so oft bei Immobilien entscheidet nicht das Produkt, sondern die Rechnung dahinter.
Unser Rat: Rechne ehrlich, hol dir mehrere Angebote und behalte immer eine Reserve. Wenn du unsicher bist, ob dein Wunschobjekt eine Vollfinanzierung trägt, rechnen wir das im Mentoring gemeinsam mit dir durch — bevor du unterschreibst, nicht danach.
Häufige Fragen zum Kauf ohne Eigenkapital
Kann man 2026 wirklich eine Immobilie ohne Eigenkapital kaufen?
Ja, grundsätzlich ist es möglich — aber nicht für jeden. Banken vergeben Vollfinanzierungen nur an Käufer mit sehr guter Bonität, hohem und dauerhaft sicherem Einkommen und einwandfreier SCHUFA. Zusätzlich muss die Immobilie werthaltig sein und in einer guten Lage liegen, weil die Bank ohne Eigenkapitalpuffer das volle Wertrisiko trägt. Für Kapitalanleger mit stabilem Einkommen und einer sauber gerechneten Immobilie ist die Vollfinanzierung eher erreichbar als für viele Selbstnutzer.
Was ist der Unterschied zwischen 100- und 110-Prozent-Finanzierung?
Bei einer 100-Prozent-Finanzierung finanziert die Bank den reinen Kaufpreis, die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler) zahlst du aus eigener Tasche. Bei einer 110-Prozent-Finanzierung — der echten Vollfinanzierung — wird auch dieser Nebenkostenblock mitfinanziert, sodass du kein eigenes Geld einbringst. Da die Nebenkosten keinen Gegenwert schaffen, den die Bank verwerten kann, ist die 110-Prozent-Variante deutlich schwerer zu bekommen und teurer.
Wie viel teurer ist eine Vollfinanzierung?
Weil die Bank ohne Eigenkapital ein höheres Ausfallrisiko trägt, steigt der Zins mit dem Beleihungsauslauf. Je nach Bank und Bonität liegt der Aufschlag gegenüber einer Finanzierung mit rund 20 % Eigenkapital häufig bei etwa 0,3 bis 0,7 Prozentpunkten. Bei einem Darlehen von 300.000 € summieren sich schon 0,5 Prozentpunkte mehr Zins über die Jahre zu einem fünfstelligen Betrag. Hinzu kommt: Ohne Eigenkapital ist die Darlehenssumme höher, was Rate und Laufzeit zusätzlich nach oben treibt.
Welche Voraussetzungen muss ich für eine Vollfinanzierung erfüllen?
Die Bank erwartet in der Regel ein hohes, unbefristetes und sicheres Nettoeinkommen, eine tadellose SCHUFA ohne Negativmerkmale, eine niedrige bestehende Verschuldung und eine ausreichende Sparquote, die zeigt, dass du die Rate auch bei höheren Zinsen tragen kannst. Ebenso wichtig ist das Objekt selbst: gute Lage, marktgerechter Kaufpreis, kein Instandhaltungsstau. Oft wird zusätzlich eine höhere Anfangstilgung von zwei bis drei Prozent verlangt, damit die Restschuld schneller sinkt.
Ist es sinnvoll, als Kapitalanleger ohne Eigenkapital zu kaufen?
Für Kapitalanleger kann die Vollfinanzierung rationaler sein als für Selbstnutzer, weil die Schuldzinsen auf eine vermietete Immobilie als Werbungskosten steuerlich absetzbar sind und weil ein hoher Fremdkapitalanteil den Hebel auf die Eigenkapitalrendite verstärkt. Das funktioniert aber nur, solange die Nettomietrendite über dem Finanzierungszins liegt und der Cashflow die höhere Rate trägt. Liegt der Zins über der Rendite, wirkt der Hebel gegen dich. Entscheidend ist deshalb eine ehrliche Kalkulation vor dem Kauf.
Welche Risiken hat der Kauf ohne Eigenkapital?
Das größte Risiko ist die fehlende Sicherheitsreserve: Fallen die Preise oder musst du früh verkaufen, kann die Restschuld über dem Verkaufserlös liegen — du bleibst auf einer Lücke sitzen. Dazu kommen eine höhere Monatsrate, eine längere Laufzeit und ein größerer Zinsaufwand über die Gesamtlaufzeit. Ohne Rücklage können außerdem ungeplante Reparaturen oder Mietausfälle schnell zum Problem werden. Vollfinanzierung setzt deshalb ein stabiles Einkommen und Disziplin voraus.
Was kann ich statt Eigenkapital einbringen?
Neben Bargeld zählen für die Bank auch andere Werte als Eigenkapital oder Sicherheit: eine bereits abbezahlte oder schuldenarme Immobilie, die als zusätzliche Grundschuld dient, Bausparguthaben, Wertpapierdepots, ein zinsgünstiges Verwandtendarlehen, ein Arbeitgeberdarlehen oder — bei Sanierungsobjekten — Eigenleistungen, die sogenannte Muskelhypothek. Auch geförderte Darlehen der KfW können den Eigenkapitalbedarf senken. Je mehr belastbare Sicherheiten du mitbringst, desto eher spielt die Bank mit.